Arbeiten Sie zu viel?

Selbstmanagement:

Von Ron Ashkenas
3. November 2011

Lassen Sie mich mit einem Geständnis beginnen: Ich bin in der Regel der letzte, der das Büro verlässt. Ich komme um 8 Uhr oder früher und gehe oft erst nach 19 Uhr nach Hause. Aber ich beklage mich nicht. Ich liebe meine Arbeit - und ich habe eine verständnisvolle Familie. Aber seitdem es immer mehr zu tun gibt, als Zeit dafür zur Verfügung steht, bleibe ich immer länger im Büro.

Nachtarbeiter: Sind Sie der letzte, der das Licht ausknipst?
Corbis

Nachtarbeiter: Sind Sie der letzte, der das Licht ausknipst?

Ich bin nicht der einzige. Tatsächlich berichten laut einer aktuellen Studie zwei Drittel der US-Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter in den vergangenen drei Jahren länger arbeiten. Vermutlich sieht es in anderen Ländern ähnlich aus.

Dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen. Eine unbeabsichtigte Folge unserer globalen, vernetzten Welt ist, dass Kunden, Klienten, Partner und Kollegen sofortige Reaktionen auf ihre Anliegen erwarten. Gleichzeitig sind in vielen Branchen neue Jobs Mangelware - daher will kein Arbeitnehmer riskieren, Vorgesetzte oder Kunden zu enttäuschen. Im Endeffekt bleiben mehr Mitarbeiter länger bei der Arbeit. Und viele stehen regelmäßig vor dem Dilemma, ob sie im Büro bleiben sollen, um eine wichtige Aufgabe noch heute zu erledigen oder ob sie sie auf Morgen verschieben können.

Zur Person
Ron Ashkenas ist geschäftsführender Gesellschafter bei Schaffer Consulting und Mitverfasser der Bücher "The GE Work-Out" and "The Boundaryless Organization". Sein neustes Buch heißt "Simply Effective".
Aber sobald jemand einmal damit anfängt, regelmäßig Überstunden zu machen, wirkt jeder normale Arbeitstag auf einmal so, als würde sein Engagement nachlassen. Mit anderen Worten: Wenn Sie es zur Gewohnheit machen, sehr lange im Büro zu bleiben, werden lange Arbeitszeiten zu etwas Normalen.

Da ich selbst dazu neige, lange zu arbeiten, bin ich wahrscheinlich die letzte Person, die Ratschläge zu diesem Thema geben sollte. Wenn Sie die langen Stunden im Büro jedoch nicht genauso genießen wie ich, kann das schwerwiegende Folgen haben. Eine Untersuchung von 6000 britischen Beamten hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass bei denjenigen, die regelmäßig über zehn Stunden täglich gearbeitet haben, das Risiko um 60 Prozent stieg, herzkrank zu werden. Und wenn Sie nicht einen verständnisvollen Partner an Ihrer Seite haben, kann das Ihre Beziehung enorm belasten.

Was also können Sie tun, damit Überstunden nicht die Regel werden oder wie Sie zumindest die negativen Konsequenzen vermeiden? Hier sind ein paar Anregungen, die helfen können, Prioritäten zu setzen:

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Dr. Martin Bartonitz 04.11.2011

Lange Arbeitszeiten
In diesen Zeiten der Krisen wird es den Menschen immer schwieriger werden, nicht länger zu arbeiten, um nicht den Arbeitsplatz zu verlieren. Ich selbst arbeite wie Sie überwiegend selbstbestimmt und sehen einen Sinn in dem, was ich tue. Daher ist das Risiko der Erkrankung für mich noch gering. Vielen Anderen geht es aber anders. Depression un Burn-Out ist die Folge. So sind inzwischen 40% aller Europäer einmal in ihrem Leben davon betroffen. Ich hatte hier über das Thema geschrieben: http://faszinationmensch.wordpress.com/2010/12/22/hoher-wirtschaftlicher-schaden-wegen-depression-uber-3-millionen-deutsche-in-behandlung/ Seit nun fast 30 Jahren werden es nicht mehr sondern immer weniger Arbeitsplätze, d.h. der Druck auf unseren Kessel nimmt nicht ab sondern wird weiter steigen. Warum ist das so? Und hier klage ich unsere Wissenschaftler an, nicht bis auf den Kern unserer Ökonomie vordringen zu wollen. Die Bewegung 99% zeigt auf, dass unser System dafür sorgt, dass unser Tun nur zum Zweck hat, dem einen 1% zuzuarbeiten. Und der Hebel in diesem System ist der Zins, den wir für das Verleihen von Geld zulassen. Für ein Geld, das zudem nur als Schuldgeld neu auf die Welt kommt, das zuvor nicht existierte. Wenn wir dieses System nicht grundlegend anders machen, können wir noch so schöne Anregungen für eine Workbalance geben. Am Ende wird es uns nicht anders ergehen wie so vielen großen Reichen zuvor, die mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, siehe: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/11/01/was-unsere-finanzkrise-mit-dem-untergang-des-romischen-imperiums-zu-tun-hat/ Warum wagt sich kein Politiker seit der ersten größeren Krisenwelle an diese Fragenstellung heran? Warum schreibt keine unserer großen Zeitungen darüber? Es gibt inzwischen genügend Literatur dazu. Siehe auch http://geldmitsystem.org/

Frank Michael Kraft 08.11.2011

Adaptionen der Arbeit
Guten Abend Dr. Bartonitz, nett, dass wir uns auch hier treffen. Ich denke Sie erwähnen schon die richtigen Punkte. Ich möchte noch ein paar Gedanken hinzufügen. Ich denke was auch viele Menschen besonders frustrieren kann ist, wenn sie viel Arbeitszeit und viel Anstrengung in ein Projekt gesteckt haben, um hinterher festzustellen, dass es umorganisiert wird, und die Mühe wirkungslos verpufft, weil Randbedingungen sich geändert haben. Was auch meiner Meinung nach ein Problem ist, wenn zu viele Ziele gleichzeitig verfolgt werden sollen - eine Verzettelung in vielen Meetings und Projekten ist die Folge. Auf der anderen Seite ist es unumgänglich, dass es immer wieder Änderungen gibt - das denke ich ist unbestritten. Darum meine ich sollten wir an Methoden und Technologien arbeiten, die es erlauben, sich selbst und die Ziele seiner Arbeit (als Wissensarbeiter) als auch die Arbeitsabläufe seiner Organisation effizienter an neue Bedingungen anzupassen und dadurch den vermeintlichen Nachteil in einen Vorteil zu verwandeln.

hip-hop 12.09.2015

Es gibt eine Alternative! "Selbst organisierendes arbeiten" ein Buch von Thomas Sonnberger. Ein Buch, welches die emotionalen Seiten der Arbeit beschreibt.

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