Service aus Deutschland - kein Exportschlager

2. November 2011

2. Teil: Die Befragung

Steckbrief der empirischen Studie:
    • Befragt wurden 604 Unternehmen in den Ländern Frankreich, Italien, Niederlande, Türkei, Russland, Großbritannien, Südafrika, USA, China, Spanien, Australien und Polen.
    • Die befragten Unternehmen sind überwiegend in der IT-, Gesundheits-, Finanz-, Bildungs- und Forschungsbranche sowie im Dienstleistungssektor verortet.
    • 73 Prozent der Befragten entstammen der Geschäftsführung, die restlichen 27 Prozent dem oberen Management.
    • 65 Prozent der Befragten waren schon in Deutschland. Nur 2 Prozent hat Deutschland nicht gefallen.
    • Die Befragung wurde im Sommer 2011 als Online-Befragung durchgeführt.

Um diese Frage zu beantworten haben wir im Sommer 2011 zusammen mit dem Münster Research Institut und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO eine breit angelegte empirische Studie durchgeführt und weltweit über 600 Unternehmen befragt. Wir wollten wissen, wie wichtig die Herkunftsmarke (Made in Germany) für die Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen und Services im Ausland ist.

Die zentralen Ergebnisse waren wie folgt:

  • Nur 46 Prozent der befragten Entscheider können sich vorstellen, Dienstleistungen aus Deutschland in Anspruch zu nehmen.
  • Lediglich 55 Prozent der Manager vertrauen deutschen Service-Anbietern.
  • 64 Prozent der weltweit Befragten meinen, dass deutsche Maschinen und Produkte deutlich besser sind als deutscher Service.
  • Für 29 Prozent ist die Aussage "Services made in Germany" ein Widerspruch in sich.

Es wird deutlich, dass die Marke "Made in Germany" im zukunftsträchtigen Bereich der Dienstleistungen noch längst nicht die selbe Strahlkraft hat wie bei Produkten. Damit droht , ein zentraler Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft an Bedeutung zu verlieren. Es wird wohl höchste Zeit, dass sich nicht nur Politiker, sondern auch Manager darüber Gedanken machen. Gutes Marketing - auf welcher Ebene auch immer - wäre hier sicher hilfreich!

Diskutieren Sie mit! Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema "Export von Dienstleistungen" gesammelt?

Artikel
Kommentare
14
JensBurgMeyer 02.11.2011

Das verstehe ich nicht ...
... ich mag deutsche Produkte.

eyland 02.11.2011

Ernüchternd
ist auch die Diskusions -Resonanz auf Ihren Artikel. Deutsche Manager haben keine Zeit zum Diskutieren. Die kümmern sich um ihre Dienstleistungskunden.. Schönen Abend.. Eyland

johann_konradt 03.11.2011

Die Zukunftsinitiative D
Sehr geehrter Herr Prof. Kenning, Sie haben Recht. Es wird noch einige Zeit dauern, bis man international von "Services made in Germany" schwärmt. Jedoch, die Wirtschaft prägenden Akteure, insbesondere Dienstleistunsg- Anbieter aus dem sogenannten "Mittelstand", haben die Chance, sich dafür einsetzen, dass sich das heutige Bild des "Dienstleistungs-Standorts" Deutschland für die Zukunft verbessert. Ihnen und Ihren Lesern empfehlen wir, die jüngst gestartete Zukunftsinitiative Dienstleistung für Deutschland aktiv mit zu gestalten und zu fördern. Wir laden Sie ein, bei Interesse mehr zu erfahren, unter http://www.servicehit.com/ueber-servicehit/zukunftsinitiative-d.html Weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Studie!

seydie 04.11.2011

Fakten versus Studie
Mit nur ca. 600 befragten Unternehmen ist die Studie von Prof. Kenning nicht repräsentativ. Allein in Deutschland gibt es ca. vier Millionen Unternehmen. Umfragen sind das eine, harte Fakten und Zahlen das andere und die lauten wie folgt: Im Gegensatz zur Auffassung von Prof. Kenning ist Deutschland im Dienstleistungsexport Weltspitze Auch die deutsche Ausbildung ist längst zum Exportschlager geworden. Der deutsche Bildungsexport umfasste 2009 bereits rund 9,4 Milliarden Euro. Dies ergab eine im Auftrag von iMOVE, einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Internationalisierung deutscher Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen, von der Unternehmensberatung Booz erstellte Studie. Mit diesem Volumen gehört die Bildung zu den bedeutenden und bisher unterschätzten Dienstleistungsbranchen in Deutschland. Ihre Exporte übertrafen 2009 - so die Studie - diejenigen von Versicherungsdienstleistungen (2,9 Millarden Euro), Werbe- und Messeleistungen (3,8 Millarden) und Finanzdienstleistungen (9,0 Millarden Euro). Nach Destatis-Angaben stiegen die gesamten deutschen Dienstleistungsexporte 2010 um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2000 stieg der Wert gar um 87,1 Prozent. Nach einem Anstieg von 7,6 Prozent im Jahr 2010 auf 172,6 Millarden Euro (Quelle: Destatis) hat es Deutschland in die Weltspitze der Dienstleistungsexporteure geschafft. Lediglich die USA liegen laut der Welthandelsorganisation WTO noch vor Deutschland, Großbritannien wurde auf Platz drei verdrängt. Quellen: iXPOS 06.09.2011, Auszüge Artikel Germany Trade and Invest 02.09.2011.

Moderator 04.11.2011

Weitere Infos
Vielleicht zeigt eine Studie der Forschungsunion aus dem Jahr 2008 noch deutlicher, was die Lücke genau ausmacht: „Das Potenzial des Dienstleistungssektors ist auch in internationaler Hinsicht noch nicht ausgeschöpft. Neben Handelsbarrieren auf europäischer wie auf EU-Ebene erschwert vor allem die vergleichsweise geringe Exportorientierung deutscher Dienstleister die Internationalisierung von Dienstleistungen. Dienstleistungen machten lediglich 14 Prozent der deutschen Gesamtexporte im Jahr 2002 aus; somit erwirtschafteten deutsche Dienstleister nur knapp 10 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Während in der deutschen Dienstleistungsbilanz dementsprechend noch immer ein Defizit besteht, wiesen die USA im vergangenen Jahr mit ihren Dienstleistungen einen Exportüberschuss von 72 Milliarden Dollar aus (30% des Gesamtexportvolumens).“

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