Die Tücken der Heimarbeit

Produktivität:

Von Karen Dillon
23. September 2011

Ich vermisse Konferenzen. Niemand wundert sich darüber mehr als ich. Ich habe Tage erlebt, an denen ich von morgens bis abends in Meetings saß. An manchen Tagen habe ich mein E-Mail-Programm Outlook geöffnet und wollte mir angesichts der Agenda für den Tag am liebsten die Haare raufen. Ich musste von einer Sitzung zur anderen hetzen, da Outlook dummerweise jedem erlaubt, Konferenzen nahtlos aneinanderzureihen - ohne auch nur drei Minuten einzuplanen, um von einem Raum zum anderen zu gelangen. Ich war wirklich kein Freund von Konferenzen.

Braucht neue Routinen und andere Organisation: Arbeiten von Zuhause
Corbis

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Aber nach 24 Jahren als festangestellte Mitarbeiterin habe ich mich entschieden, freiberuflich zu arbeiten, um wieder mehr Zeit für mich zu haben. Nun entwickle ich neue Routinen und suche nach Wegen, möglichst produktiv zu arbeiten. Und auf einmal lerne ich wieder viele Dinge aus meinem bisherigen Leben zu schätzen, die mich früher frustriert haben. Zum Beispiel diejenigen Minuten zu Beginn einer Sitzung, wenn die Menschen zusammenkommen und der Raum sich langsam mit lockerem Geplänkel füllt. Oder die Art, wie jemand lustige Dinge erzählt und jeder zu Lachen anfängt. Oder am Montagmorgen mitzubekommen, was die anderen das Wochenende über unternommen haben. Das hat indirekt am Leben teilhaben lassen.

Nachdem ich alle Informalitäten des Büroalltags lange Zeit wie selbstverständlich erlebt habe, verstehe ich jetzt, wie sehr sie die Kollegen miteinander verbindet. Wir verbringen die Pausen am Tag miteinander. Wir bedauern bei einem Stück Kuchen Dinge, die schief laufen. Wir erzählen uns Witze in den fünf Minuten vor Beginn einer Sitzung. Diese fünf Minuten gehören nicht zu den produktivsten Momenten des Tages, aber sie haben einen realen Wert für uns. Wir sind in allen informell verbrachten Minuten ein Team.

Auch für mich als Freiberuflerin hat jede Minute des Tages einen Wert. Aber auf eine andere Weise. Jede Stunde des Tages, in der ich arbeite, muss einem bestimmten Zweck dienen, sonst würde ich meine Zeit verschwenden. Jede Stunde, die ich nicht arbeite, muss auch einem bestimmten Zweck untergeordnet sein, sonst nutze ich meine Zeit nicht richtig. Ich muss ganz anders darüber nachdenken, wie ich arbeite.

Ich muss nach Möglichkeiten suchen, die informellen Minuten zwischendurch zu ersetzen, die mir Impulse für den Tag gegeben haben. Kollegen, mit denen ich maile, sind weit weg und das Warten auf eine Antwort ist auch nicht vergleichbar mit einem persönlichen Gespräch beim Bedienen des Kaffeeautomaten. Ich kann gut verstehen, wie sich Facebook zu einer Art Büro-Geplänkel für Menschen entwickelt hat, die physisch nicht zusammen sind. Ich schaue auf Facebook jetzt regelmäßig vorbei, um zu erfahren, wer was macht, und wer mir etwas Interessantes über einen Link zeigen will. Es ist jetzt für mich so eine Art virtuelle Kaffeeküche geworden.

Also habe ich meine eigenen Regeln für meine neue flexible Agenda erarbeitet:

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