Die Kunst zu fragen

Kommunikation:

Von Ron Ashkenas
7. September 2011

Wie gut können Sie Fragen stellen? Meiner Erfahrung nach denken die wenigsten Manager darüber nach. Die Fähigkeit zu fragen, steht normalerweise auf keiner Liste der Kompetenzen, die ein Manager haben sollte. Sie gehört auch nicht zum Lehrplan von Business Schools und taucht nicht in Seminaren für Führungskräfte auf. MBA-Studiengängen. Aber gut fragen zu können ist ein wichtiger Bestandteil des Managementjobs - und daher könnte es sich lohnen, sich mit dieser Fähigkeit genauer zu beschäftigen.

Geschicktes Vorgehen: Nur wer richtig fragt, bekommt auch die richtige Antwort.
Corbis

Geschicktes Vorgehen: Nur wer richtig fragt, bekommt auch die richtige Antwort.

Wie haben es alle schon erlebt: Wir haben es nicht geschafft, gut zu fragen. Ich saß vor einiger Zeit in einem Meeting mit einem Projektteam, das seine Fortschritte mit einem hochrangigen Manager durchsprach. Während der Präsentation zeigte seine Körpersprache, dass er mit der Richtung, die das Team eingeschlagen hatte, unzufrieden war. Das Ergebnis: Ohne das Team weiter mit Fragen zu löchern, verschob er die Genehmigung der nächsten Schritte bis zu einem persönlichen Gespräch mit dem Teamleiter. Bei diesem Folgetreffen hielt er ihm sofort vor, dass er mit seinem Team den geplanten Projektpfad verlassen hatte. Irgendwann gelang es dem Teamleiter die Gründe für seine Entscheidungen zu erklären und den Manager davon zu überzeugen, dass sie selbstverständlich ihre Projektziele erreichen würden und so bekam er schließlich grünes Licht für die nächsten Schritte.

Frust entsteht

Inzwischen hatte das Team allerdings seinen Schwung (und eine Woche Arbeitszeit) verloren und konzentrierte sich mehr darauf bei dem Topmanager gutes Wetter zu machen statt das Projekt so gut wie möglich voranzutreiben.

Zum Autor
Ron Ashkenas ist Managing Partner der Unternehmensberatung Schaffer Consulting und unterrichtet aktuell als Lehrbeauftragter an der Haas School of Business der UC Berkeley. Er ist Co-Autor der Buchtitel "The GE Work-Out" und "The Boundaryless Organization". Zuletzt von ihm erschienen ist "Simply Effective".
Das ist kein Einzelfall. Viele Manager wissen nicht, wie sie den Denkprozess ihrer Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzten hinterfragen können. Stattdessen mutmaßen sie, was sich diese bei ihren Handlungen gedacht haben könnten. Liegen sie dabei falsch, entstehen alle möglichen Arten von Funktionsstörungen in der Organisation. Ein Beispiel: Bei einem Finanzdienstleister verspätete sich die Überarbeitung eines Produkts um mehrere Monate. Die zuständigen Produkt- und IT-Manager hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, wer was wann liefern sollte. Sie beschuldigten sich gegenseitig, für die Verzögerung verantwortlich zu sein. Erst als ihnen ein Außenstehender hilfreiche Tipps gab, um die richtigen Fragen zu stellen, entwickelten sie einen Plan, mit dem beide leben konnten.

Es gibt drei Bereiche, in denen verbessertes Fragen die Effektivität des Managements erhöht:

Seite
1
2
Artikel
© 2011 Harvard Business Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Folgt uns auf Facebook
Nach oben