Mentale Hürden überspringen

24. August 2011

2. Teil: Mentale Entsprechungen

Übertragen auf Führungsaufgaben haben die körperlichen Fähigkeiten auch eine mentale Entsprechung. Sie stellen eine Eintrittshürde für Erfolg dar, die es zu überwinden gilt. Mentale Kondition setzt sich zusammen aus Selbstverantwortung (das entspricht Kraft), Lern- oder Reflexionsfähigkeit (Schnelligkeit), Konfliktfähigkeit (Ausdauer) und Beziehungsfähigkeit (Gelenkigkeit). Bei der Übertragung der körperlichen auf mentale Grundfähigkeiten wird - ähnlich wie im Spitzensport - schnell klar, dass das mentale Leistungsvermögen von Führungskräften ebenso Bedingung für Erfolge ist. Haben Manager zuwenig mentale Fitness so zeigt sich das in schlechter Leistung, weil Potenziale nicht ausgeschöpft werden.

"Kräftige" Führungskräfte haben eine hohe Fähigkeit zur Selbstverantwortung, sind damit öfter erfolgreicher, weil sie mehr substantielle Beiträge leisten können. Mental Schwächere beginnen mit Problembeschreibungen oder der Schilderung von eigenen Anstrengungen. Wer sich Rechtfertigungen oder Schuldzuweisungen bedient, hat seine Zuständigkeit faktisch verloren. Ihre Beschwerden sind vielfältig, wie zum Beispiel eine ungünstigen Ausgangslage, zu wenig Zeit oder Ressourcen, falsche Leute an Bord, Weltwirtschaftskrise und so weiter. Damit hat eine schwache Führung die tatsächliche Steuerung an Umstände, Zeit, Ressourcen, oder Andere übergeben. Sie sind automatisch zum Opfer aller anderen Kräfte geworden und können aus Mangel an eigener mentaler Kraft das Geplante und Gewünschte nicht mehr leisten. Die Wirkung ist fatal, wenn im Pingpong-Spiel verantwortungsloser Führungskräfte große Unternehmen massiv untersteuert werden, aber mit der Verantwortung für zig Tausende Arbeitsplätze, der Umwelt und Technologien mit Hochgeschwindigkeit über den globalen Highway rasen.

Eine "schnelle" Führung ist nicht nur mental kräftig, sondern hat die Fähigkeit mit hoher Geschwindigkeit aus Fehlern zu lernen. Zusätzlich zur Kraft, die es braucht, die Tiefen der eigenen Schatten ausleuchten, müssen sie schneller lernen als andere, damit sich ein Vorteil bemerkbar macht. Die Forderung nach "Speed! Speed! Speed!" haben prominente Vorstandsvorsitzende wie Rolf Breuer, Jürgen Schrempp oder zuletzt Peter Löscher schon vor Jahren verlauten lassen. Sie haben dies aber ohne die ausdrückliche Erlaubnis getan, Fehler machen zu dürfen, um daraus zu lernen. Auch die Möglichkeiten tiefer systematischer Reflexion wurden nicht gegeben. Die Angst vor dem Scheitern und am Ende damit alleine zu stehen, sind mentale Bremsklötze, die jede Führung dramatisch verlangsamen. Die lernende Organisation wird in einer ängstlichen und misstrauischen Firmenkultur wohl reines Wunschdenken bleiben. Es braucht Mut zur Geschwindigkeit, will sich eine Führungskraft dem Risiko eines kollektiven Sogs der Angst in einem Unternehmen entziehen. Bei einer richtigen Entscheidung lieber um Vergebung zu bitten als um Erlaubnis, wäre dafür ein Indikator.

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