Google korrigiert alte Fehler

Motorola-Kauf:

Von Horace Dediu
18. August 2011

Alles aus einer Hand: Google baut jetzt eigene Smartphones und Tablets für sein Betriebssystem Android.
DPA

Alles aus einer Hand: Google baut jetzt eigene Smartphones und Tablets für sein Betriebssystem Android.

Googles 12,5-Milliarden-Dollar-Kauf des Handyherstellers Motorola Mobility (MMI) hat Technologie- wie Investmentexperten in Aufregung versetzt. Zahlreiche Kommentatoren sahen darin einen Schachzug von Google, sich Motorolas umfangreiches Portfolio an Patenten einzuverleiben. Aber wer sich nur auf dieses Argument konzentriert, liegt falsch und übersieht den eigentlichen Beweggrund: Der Kauf von MMI hat seine Wurzeln in Googles Fehleinschätzung darüber, wie sich aus der mobilen Computernutzung Wert gewinnen lässt. Dieser strategische Fehler hat Google in eine Position der Schwäche gebracht und das Unternehmen zu einem kostspieligen und verzweifelten Schritt gedrängt.

Um zu verstehen, warum Google in dieser Position ist, sollten wir uns zunächst anschauen, wie sich die mobile Android-Software des Konzerns in sein gesamtes Produktportfolio einfügt. Google-Produkte sind sich alle relativ ähnlich. Sie sind Dienstleistungen "in der Cloud", der Datenwolke. Alle, bis auf eines: Android. Es ist ein eigentümliches Google-Produkt - aus zwei Gründen.

1. Android ist keine Anwendung oder Dienstleistung für den Endbenutzer. Es ist eine Systemsoftware; der typische Kunde von Android ist kein Endbenutzer, sondern ein Systementwickler oder -integrator. In der Regel erwirbt ein Handy- oder Geräteanbieter eine Android-Lizenz, stellt ein Produkt her und lässt es dann von einem weiteren Mittler - üblicherweise einem Mobilfunkbetreiber - genehmigen, bevor es an den Endverbraucher verkauft werden kann. Eine Systemsoftware ist wie ein Fundament, das - ähnlich wie Windows - Anwendungen erst ermöglicht. Sie ist eine Plattform.

2. Android ist einer von vielen Helfern für andere Google-Dienstleistungen. Google bietet die gleichen Anwendungen auch auf anderer Systemsoftware an. Beispielsweise funktionieren Gmail, die Google-Suche und Google Maps sehr gut auf iPhones (oder Windows). Googles eigene Plattform ist also nicht der einzige Ort, von dem aus die Umsatzbringer des Konzerns auf den Markt kommen. Obwohl Google-Anwendungen auf jeder Plattform laufen, sind mobile Plattformen nicht so offen zugänglich wie traditionelle Computer-Plattformen. Der Inhaber einer Plattform - beispielsweise Apple oder Microsoft - kann demnach die Google-Anwendungen nach Lust und Laune abschalten. Indem Google jedoch seine eigene Plattform verbreitet, stellt der Konzern sicher, dass Endnutzer ungehinderten Zugang zu seinen Dienstleistungen haben. Mit anderen Worten: Ihre Verbreitung steigt. Indem Google sich als eine Art Fundamentbauer betätigt, stellt der Konzern sicher, dass seine Anwendungen sich ungehindert am Markt bewegen können.

Es ist ein innovatives, vielleicht sogar ein verwickeltes Geschäftsmodell: ein Fundament zu bauen und zu verschenken, damit Hausbewohner ungehinderten Zugang zu Googles kostenlosen Versorgungsleistungen bekommen (deren Zählerstände an den Höchstbietenden verkauft werden). Aber es ist alles noch komplizierter.

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