Patente richtig nutzen

Google/Motorola:

16. August 2011

Patente haben in den Industrienationen einen guten Ruf, gelten sie doch als Nachweis von Innovationskraft. Konzerne aus verschiedensten Branchen liefern sich Wettrennen darum, wer die meisten Schutzrechte anmeldet. Ganze Volkswirtschaften versuchen mit Patentstatistiken ihre wissenschaftlich-technische Spitzenstellung zu beweisen. Und hinter fast jeder Patentanmeldung steckt die Hoffnung auf ein wirtschaftliches Monopol, das den Erfinder reich und berühmt macht.

Schachzug: Der Kauf von Motorola soll Googles Situation im Patentstreit sichern.
DPA

Schachzug: Der Kauf von Motorola soll Googles Situation im Patentstreit sichern.

Die Verleihung eines einfachen juristischen Schutzrechtes wird so fast mythisch aufgeladen. Das passiert umso mehr, als Wissen für viele längst die zentrale immaterielle Ressource und der wichtigste Produktionsfaktor ist. Der Wert eines Produkts beruht heute im Schnitt zu 50 Prozent auf Wissen, und dieser Anteil steigt immer weiter. Autos, Medikamente und Computer sind immer weniger kristallisierte Arbeit und immer mehr kristallisiertes Wissen. So verschieben sich auch die Unternehmenswerte ins Immaterielle: Im Schnitt bestehen in den Industrienationen aktuell über zwei Drittel des Firmenwerts aus immateriellen Gütern wie etwa der Marke oder dem geistigen Eigentum. Für traditionell geprägte Manager ist diese Dematerialisierung der Wirtschaft eine enorme Herausforderung, denn die Wettbewerbsinstrumente in der Wissensökonomie sind ausgesprochen komplex.

Patente versprechen in dieser Situation einen Schutz des Wissensvorsprungs, eine Alleinstellung auf Zeit und hohe Gewinne. Im globalen Innovationswettbewerb sind sie die strategischen Waffen der Wahl. Doch zugleich beruht ihre Wirksamkeit auf einer komplexen Rechtsmaterie. Anders als bei Marken fühlen sich Manager bei Patenten oft nicht kompetent. Unsicherheit und Unwissenheit führen zur Mythenbildung. Dabei gehen Führungskräfte hohe Risiken ein, ohne sich dessen bewusst zu sein, und vertun einzigartige Marktchancen.

Während der vergangenen zwölf Jahre sind uns im Zuge unserer Beratungstätigkeit in Europa und den USA immer wieder sieben Mythen im Umgang mit Patenten begegnet, an denen Manager besonders hartnäckig festgehalten haben. Auch bei der Ausbildung von Patentexperten an der Universität Straßburg bestätigte sich, wie verbreitet diese Fehleinschätzungen sind. Im Folgenden werden wir die Mythen vorstellen - geordnet nach dem jeweiligen volkswirtschaftlichen Schaden, den sie in Deutschland verursachen. Wir werden zudem zeigen, wie Unternehmen profitierten, deren Verantwortliche sich nicht in die Irre leiten ließen.

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Inhalt

Mythos 1: Patente schützen vor Plagiaten
Mythos 2: Geschäftsmodelle sind nicht patentierbar
Mythos 3: Patente sind keine echten Assets
Mythos 4: Wer viel patentiert, ist innovativ
Mythos 5: Patente sind nur etwas für Juristen
Mythos 6: Viele Patente machen unangreifbar
Mythos 7: Open Innovation braucht keine Patente

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