Managern fehlen Bindungen

Blog:

Von Michael Hengl
15. Juni 2011

Bergsteiger, die in einer steilen Wand hängen und sich ausschließlich mit ihrer Muskelkraft nach oben bewegen, lösen bei allen Betrachtern ein kribbeliges Gefühl zwischen Faszination und Gruseln aus. Wer selbst schon einmal eine Klettertour unternommen hat - und sei es auch nur in einer Kletterhalle - weiß, dass spätestens in zehn Meter Höhe über dem Boden bekannte Metaphern schlagartig ihren Sinn ändern. Statt dessen treten die ursprünglichen Bedeutungen zutage: einen sicheren Standpunkt finden, alles im Griff haben oder einen rasanten Absturz vermeiden. Alles bezieht sich plötzlich nicht mehr auf Meinung, Perspektiven oder Aktienkurse, sondern auf die unmittelbare Realität. Viele Menschen nutzen diesen Sport, um mental frei zu werden, die körperliche Fitness zu steigern oder um einfach die eigenen Grenzen nach oben zu erweitern.

Teambildung: Partnerschaften sorgen für Sicherheit
Corbis

Teambildung: Partnerschaften sorgen für Sicherheit

Bergsteigen ist Teamsport

Doch viele vergessen dabei eine wichtige Tatsache: Die enormen Leistungen sind für viele Kletterer nur möglich, weil sie in einer Partnerschaft verbunden sind, die für ihre Sicherheit sorgt.

Das Sichern ist Basis des ganzen Alpin- und Sportkletterns. Letztlich ist er Be-zieh-ung im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kletterpartner knoten sich fest und machen damit das Seil zum sichtbaren Zeichen Ihrer Verbundenheit. Die Sicherheit entsteht durch die Fähigkeit zur Bezugnahme: Wenn jemand mit einem Partner klettert, der das Seil nicht halten kann, ist das grob fahrlässig. Denn Unfälle enden in der Regel tödlich.

Im Verlauf von nur einer kleinen Tagestour erleben Kletterpartner auch sehr schnell das ganze Spektrum des Beziehungsalltags. Mal gibt derjenige, der sichert, zu viel Seil nach und der Bezug ist zu locker für den Partner, der an einer schwierigen Stelle gerade Sicherheit braucht. Fünf Minuten später ist zu wenig Freiraum da, um eine schnelle Bewegung nach oben zu machen, und das Gleichgewicht ist gestört. Der Fehler eines Einzelnen kann zum Absturz der ganzen Seilschaft führen, wenn die Gruppe zu risikoreich klettert und die Verbundenheit überstrapaziert. Erfahrene Kletterer wissen das und stellen sich darauf ein. Lernt ein Team nicht, auf diese Beziehungen zu vertrauen, stellen sich Angst und Frustration ein. Wie in keiner anderen Lebenssituation wird beim gemeinsamen Klettern deutlich, dass Beziehung und Verbundenheit der Kletterpartner dafür verantwortlich sind, den Gipfel zu erreichen.

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globallynaive 15.06.2011

Verbrannte Erde und blühende Landschaften
Als ehemaliger Middle Manager einer internationalen Pharmafirma habe ich leider erlebt, dass stets jene Mitarbeiter befördert werden, welche sich durch Backstabbing, rücksichtsloses Verhalten Peers gegenüber und einer Politik der verbrannten Erde nach unten und blühenden Landschaften nach oben ausgezeichnet haben. Ich habe auch Manager erlebt, die nicht einmal davor zurückschrecken, andere Menschen in den sicheren Tod zu treiben. Fachlich habe ich in diesen Firmen wenig gelernt, aber sehr wohl wie man Mitarbeiter schnell und effizient ruinieren kann. Aber eben auch in einer solchen Umgebung gewinnt nur jene Person, die sich durch Beziehungen ein zwischenmenschliches Gerüst basteln kann, welches alle Intrigen und Angriffe aushält. Also gilt zu präzisieren: Nach unten und auf die Seite darfst Du treten, aber nach oben sollst Du lächeln.

Schröder-hc-Consult 16.06.2011

Distanz als "Schutzschild"
Zum einen stelle ich in meinen Trainings immer wieder fest, dass Manager Distanz aufbauen, um aus ihrer Sicht mehr Neutralität aufbauen zu können, wenn es um die Leistungsbeurteilung der Mitarbeiter geht. Es fällt Ihnen leichter zu kritisieren, wenn da keine persönliche Bindung besteht. Zum anderen bedeutet persönliche Bindung auch Nähe, d.h. Zeit nehmen für die Mitarbeiter. Die normale Antwort: "Ich habe aber keine Zeit für derartige Gespräche". Keine Zeit heißt keine Lust. Die Führungskräfte sind verunsichert wie sie die Gespräche einfühlsam aufbauen, wie sie Ziele konkret setzen und nachhaltig verfolgen und konstruktives Feedback geben. Da ist es leichter ein Schutzschild aufzubauen und Bindung zu unterdrücken. Ich empfehle jedem Unternehmen genau hinzuschauen, wie die gelebte Führungskultur aussieht und ggf. Förderungsmaßnahmen zu unternehmen. Hier liegt oft einiges im Argen. Die erfolgreichste Führungskraft, die ich in meinem Berufsleben jemals kennenlernen durfte macht genau das Gegenteil. Sie hat klare Vorstellungen über die Ziele, handelt aber stets als Teil des Teams. Die Kollegen werden wirklich emotional abgeholt und mitgenommen.

humanopportunities 16.06.2011

soziale Wertigkeit im montären Wettbewerb
Die zum Teil geringe soziale Verankerung und Verantwortung der Wirtschaft ist sicher nicht überraschend. Hier hilft aber kein Wehklagen und einseitige Schuldzuweisung an die Manager. Die Frage ist doch vielmehr, warum die Lobbyverbände der Wirtschaft nicht die sozialen Komponeten in die Regeln des Wirtschaftsspiels aufnehmen und in einer globalen Wirtschaft weltweit für diese Regeln kämpfen. Neben der Gewinnmaximierung des privaten, monetären und leblosen Kapitals zur Steigerung des Shareholder Value wäre doch eher eine Orientierung an der Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstands von nöten. Diese Wohlstandssteigerung ist natürlich ungleich schwieriger zu definieren und zu messen, da Sie sich nicht zwangsweise als Wachstumszahl oder monetär zeigt, und damit ist auch der Erfolg und die Vergütung der Manager ungleich schwieriger zu bestimmen. Sinnbildlich vereinfachtes Beispiel: Sinkt der Verbrauch eines PKW von 6 auf 3 Liter/100 km (Reduktion um 50 Prozent) und bleibt zudem der produktive Aufwand (Mensch, Kapital, Umwelt) zur Herstellung gleich, sinkt oder steigt geringer an als die Verbrauchminderung des PKW über den gesamten Lebenszeitraum, wird meines Erachtens Wohlstand geschaffen. Würden Sie einen Manger lieben und wählen, der diesen PKW auf den Markt bringen will, dafür Ihr Kapital investiert bei vielleicht sehr geringer monetärer Rendite (Return of Investment)? Als Shareholder wären Sie sicher dagegen. Als Käufer fragen Sie nach Prestige und Wert eines PKW und ob Sparen (geringer Verbrauch) überhaupt gesellschaftsfähig ist, schließlich wollen Sie nicht als verarmt gelten. Aber als Mensch (gleich welcher Stellung) mit wachem Verstand, der sich als Teil dieser Gesellschaft fühlt, begrüßen Sie diesen PKW, da dieser mehr gesellschaftlichen Wohlstand schafft. Bezogen auf die sozialen Beziehungen eines Managers stellt sich nunmehr die Frage, welche Beziehungen denn nunmehr gemeint sind und Vorrang haben sollten. Sind es die sozialen Beziehungen den Managers zu den Shareholdern (von diesen wird er bezahlt) oder zu den Käufern (diese entscheiden über seinen Erfolg im Markt) oder zu der Gemeinschaft (diese bildet seinen Lebensraum und ist im Grunde genommen sein Leben, wirkt aber auf seine wirtschaftliche Stellung nur unmittelbar)?

k_ischebeck 16.06.2011

Neuer Stellenwert der Kommunikation
Meine Beobachtung ist: Themen wie "Kommunikation" und "Soft Skills" haben in den letzten 20 Jahren in der Personalauswahl und -entwicklung einen anderen Stellenwert bekommen. Als ich meine ersten Schritte ins Berufsleben gemacht habe, war es regelrecht tabu, über persönliche Konflikte zu sprechen. Wer Lob und Anerkennung einforderte, galt als weinerlich. Man zog sich auf die Sachebene zurück. Die vielfach starre Orientierung an der Gewinnmaximierung wirkte auch nicht besonders beziehungsförderlich. In der universitären Ausbildung und in den Trainings hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Nichtsdestotrotz sitzen heute Führungskräfte der alten Schule an den Stellhebeln der Unternehmen. Kein Wunder also, dass eine positive Unternehmenskultur nur manchmal gelingt, oft aber nicht. Am Aufbau und an der Pflege guter Beziehungen führt aber kein Weg vorbei. "Management by Objectives" funktioniert nur so lange wie es keine Konflikte gibt. Konflikte sind aber unvermeidlicher Teil des Alltags. Ohne tragfähige Beziehung wird es den Führungskräften und ihren Mitarbeitern nicht gelingen, Konflikte aufzulösen. Erst dann, wenn die Bahn wieder frei ist, kann das Gespräch auf der Sachebene gelingen.

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