Die dunkle Triade der Macht

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Von Lutz Becker
1. Juni 2011

Nicht jeder, der die Karriereleiter erklommen hat, ist für Führungsaufgaben prädestiniert. Der beste Controller muss nicht der beste Chef der Controller sein, genauso wenig wie der erfolgreichste Verkäufer unbedingt der beste Vertriebsleiter werden muss.

Es gibt kaum jemanden, der nicht hanebüchene Geschichten erzählen kann, wie Führungskräfte verbrannte Erde hinterlassen haben, wie sie ihre Rolle entweder nicht gewachsen waren oder schamlos für eigene Zwecke ausnutzten. Das fängt bei afrikanischen Despoten an, geht in unseren Landen über umstrittene Partei- und Unternehmensführer weiter und endet ganz im Kleinen beim Kaninchenzüchterverein um die Ecke. Wer mit offenen Augen die Zeitung liest, kann nur zu einem Schluss kommen: Offensichtlich werden immer wieder Menschen in Führungspositionen gespült, die da beim besten Willen nicht hingehören.

Moralischen Kompass verloren: Ist ein hohes Maß an Einfluss ausschlaggebend für den Werteverlust mancher Menschen?
dapd

Moralischen Kompass verloren: Ist ein hohes Maß an Einfluss ausschlaggebend für den Werteverlust mancher Menschen?

Der Theologe und Psychologe Pantaleon Fassbender spricht von "Pathologien der Führung". Die kanadischen Psychologen Delroy L. Paulhus und Kevin M. Williams haben den Begriff der dunklen Triade geprägt: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie.

Narzissmus, übertriebener Selbstbezug, äußert sich auf der einen Seite in einem tiefen Wunsch nach Bewunderung, auf der anderen Seite mit einem Mangel an Einfühlungsvermögen und Desinteresse an Menschen bis hin zu offener Missachtung.

Machiavellismus ist das Streben nach Macht um ihrer selbst willen. Das Führungshandeln wird manipulativ, moralische oder ethische Kategorien bleiben außen vor: Allein der Zweck heiligt die Mitte.

Psychopathie zeichnet sich in ihrer unterschwelligen Form durch hohe Impulsivität, der Suche nach Nervenkitzel und ebenfalls kaum ausgeprägter Einfühlungsvermögen aus.

Alle drei Eigenschaften, so die US-Psychologen Peter K. Jonason, Norman P. Li, Gregory D. Webster und David P. Schmitt, treten häufig gemeinsam auf und äußern sich in Selbstverherrlichung, aggressivem Verhalten und mitunter Falschheit.

Eigentlich sollte jeder halbwegs vernünftige Menschen einen großen Bogen um Personen mit den Triadeeigenschaften machen. Und wer sollte schon so verrückt sein, solche Männer und Frauen in Führungspositionen zu hieven?

Jeder ist anfällig

Doch so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist es dann doch nicht.

Kaum jemand in einer Führungsposition kann sich von der dunklen Triade gänzlich freimachen. Ein gewisses Maß dieser Charakteristika scheint Managern überhaupt erst zu ermöglichen, ihre Rolle richtig auszufüllen. Ohne eine gesunde Portion Narzissmus etwa könnte wohl keine Führungskraft und kein Unternehmer vor seine Mitarbeiter und Kunden treten: "Wenn wir selbst den Menschen nicht mit Grundsympathie annehmen können, der uns jeden Morgen beim Zähneputzen aus dem Spiegel anblickt, wie können wir glauben, das gelänge unseren Gesprächspartnern?" so Panthaleon Fassbender. Bleiben wir doch ehrlich: Auch ohne eine Spur Narzissmus auf Seiten des Autors würden Sie diese Zeilen jetzt nicht lesen.

Menschen mit Triadeeigenschaften scheinen allein schon durch ihre Extrovertiertheit eine hohe Faszination auf ihre Mitmenschen auszuüben. Vor allem bei Männern, so legt die Studie von Jonason und seinen Kollegen nahe, scheint die Triade mit besonderen, aber kurzfristigen Erfolgen bei der Partnersuche einherzugehen. Derartige Männer kommen einfach schneller zum Ziel.

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Kommentare
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Dr. Martin Bartonitz 01.06.2011

Zitat von fsadminEx-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, Wikileaks-Gründer Julian Assange, Wettermoderator Jörg Kachelmann - sie alle sind in das Visier der Strafverfolger geraten. Ist das Zufall oder verlieren Männer mit viel Einfluss schneller als andere ihren moralischen Kompass? Diskutieren Sie mit. http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/artikel/a-765796.html
Man könnte im Fall Strauss-Kahn auch auf andere Ideen kommen, z.B.: http://www.theintelligence.de/index.php/wirtschaft/finanzen/2729-wehe-dem-der-sich-mit-dem-waehrungssystem-anlegt.html

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