Was kostet Neid?

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Von Peter Kenning
13. April 2011

Auch in der vermeintlich rationalen Wirtschaft haben Emotionen eine große Bedeutung. Die Öffentlichkeit diskutiert derzeit besonders leidenschaftlich Werte wie Fairness, Vertrauen und Gerechtigkeit, die mit positiven Gefühlen besetzt sind. Aber - und das wird gegenwärtig oft übersehen - wirtschaftlicher Erfolg und Fortschritt entstehen zum großen Teil durch Wettbewerb. Das kann auch gar nicht anders sein, weil Akteure in der Wirtschaft um knappe Ressource konkurrieren. Unternehmen kämpfen miteinander um knappe Rohstoffe, Vertriebler müssen die begrenzten Etats der Kunden für sich gewinnen. Und das Marketing muss innerhalb der Unternehmen Budgets durchsetzen. Aus dieser Konkurrenz entstehen regelmäßig Konflikte, die wiederum emotionale Reaktionen hervorrufen können.

Doppelgefühl Neid: Zum einen kann es demotivieren und frustrieren, aber zum anderen auch Ehrgeiz wecken
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Doppelgefühl Neid: Zum einen kann es demotivieren und frustrieren, aber zum anderen auch Ehrgeiz wecken

Wir beschäftigen uns derzeit an meinem Lehrstuhl mit der Frage, wie Neid entsteht und welche Bedeutung diese Emotion für Unternehmen hat. Unsere Vermutung ist, dass gerade in Bereichen, in denen Kooperationen wichtig sind - zum Beispiel an der Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb - die Verantwortlichen unterschätzen, wie wichtig diese Emotion ist.

Die Folgen von Neid

Die weite Verbreitung von Neid verdeutlichte bereits eine Studie in den 90er Jahren. Anhand einer Befragung von Mitarbeitern in 200 Unternehmen zeigte Frederick C. Miner, damals Professor für Management der St. Mary's University in Halifax, Canada, dass über 75 Prozent der Befragten Erfahrungen mit Neid am Arbeitsplatz gesammelt hatten (siehe Literatur). Weitgehend unklar blieb aber, wie stark Neid den Erfolg eines Unternehmens beeinflusst. Um diese Forschungslücke zu schließen, haben wir vor einigen Monaten die monetären Folgen von Neid experimentell untersucht.

Dabei waren vorab zwei Wirkungen denkbar: Auf der einen Seite könnte Neid einen positiven Einfluss auf den Erfolg haben. Wer neidisch ist, strengt sich an, den gleichen Status wie die Person zu erreichen, die er beneidet. Auf der anderen Seite kann Neid aber auch destruktiv wirken, zum Beispiel wenn Menschen aufgrund von Neid nicht mehr miteinander kooperieren. Stellen wir uns zum Beispiel vor, dass ein Mitarbeiter aus dem Vertriebsteam plötzlich eine besondere Prämie erhält, seine Kollegen diese aber nicht für gerechtfertigt halten. Was wären die Folgen? Die Ergebnisse unseres Experiments waren eindeutig: Neid hatte - zumindest kurzfristig - einen stark negativen Einfluss auf die Kooperationsbereitschaft. Die Teilnehmer unserer Untersuchungen waren sogar bereit, finanzielle Nachteile in Kauf zu nehmen, um ihren Neid auszuleben. Das Management sollte daher darauf achten, dass kein zu starker Neid zwischen den Mitarbeitern in Marketing und Vertrieb aufkommt.

Wie aber sollen Manager mit Neid umgehen? Unsere Studie zeigt interessanterweise, dass dieses Gefühl zum großen Teil situativ entsteht und kein generelles Persönlichkeitsmerkmal ist. Ganz im Gegenteil: Zwar reagierten Männer deutlich neidischer und destruktiver als Frauen; die Personen aber, die sich selbst als eher neidisch bezeichneten, zeigten nicht mehr destruktives Verhalten als andere Versuchsteilnehmer. Im Folgenden haben wir einige Empfehlungen zusammengestellt, um Neid zu reduzieren.

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