Wie Arbeitgeber Talente abschrecken

Blog:

Von Armin Trost
30. Juni 2010

Wir, Personaler, Manager und Headhunter, diskutieren seit etlichen Jahren über den sich verschärfenden Fachkräftemangel und wie wir ihm begegnen können. Wir denken über Arbeitgebermarketing oder über alternative Wege der Kandidatensuche nach. All das ist vielversprechend - aber haben Sie schon einmal versucht, sich bei Ihrem eigenen Unternehmen unter falschem Namen zu bewerben? Wenn Sie Personalleiter oder Geschäftsführer sind und Ihr Unternehmen unter Fachkräftemangel leidet, sollten Sie das auf jeden Fall tun. Sie werden vermutlich Spannendes und leider auch Abschreckendes erleben.

"Time-out" - Unternehmenswebsites für Online-Bewerbungen lassen dem Bewerber zumeist wenig Spielraum zur persönlichen Darstellung. Nicht selten ärgern sich ernsthafte Interessenten auch über ein zu kompliziertes Verfahren.
Corbis

"Time-out" - Unternehmenswebsites für Online-Bewerbungen lassen dem Bewerber zumeist wenig Spielraum zur persönlichen Darstellung. Nicht selten ärgern sich ernsthafte Interessenten auch über ein zu kompliziertes Verfahren.

Viele der großen Unternehmen lassen nur noch Online-Bewerbungen zu. Das ist grundsätzlich auch in Ordnung. Bei Amazon können Sie ein Buch oder eine DVD auch nur per Internet bestellen. Kaum jemand hat damit ein Problem, weil der Online-Händler es seinen Kunden sehr einfach macht, Produkte zu finden, sich über sie zu informieren und sie zu bestellen. Sich online zu bewerben vermittelt aber in den meisten Fällen eine gänzlich andere Erfahrung.

Wenn Sie sich etwa bei BMW oder bei Daimler bewerben - um nur zwei Beispiele herauszugreifen - benötigen Sie Zeit, sehr viel Zeit. Sie geben zunächst Ihre Kontaktdaten ein. Das macht Sinn. Dann übertragen Sie aufwendig Ihren Lebenslauf und bedienen dabei Dutzende Auswahlmenüs und füllen unzählige Felder aus. Allein die Beschreibung einer einzigen Station in Ihrer Karriere erfordert mehr Informationen, als das Einrichten eines Nutzerkontos bei YouTube und das Hochladen eines Videos. Als Bewerber bin ich bemüht, den Anweisungen zu folgen: Von dann bis dann war ich dort beschäftigt in der Rolle als dies oder das und war verantwortlich für Folgendes. Das Unternehmen hatte diesen Namen und gehört zu jener Branche.

Bis zum Zeitpunkt der Bewerbung interessierte mich das Unternehmen. Ich habe mich von seinem Image als Arbeitgeber beeindrucken lassen, die Bild- und Textsprache hat mich überzeugt. Die Botschaft kam rüber. Vielleicht hatte ich einen vielversprechenden Kontakt mit einem Personaler auf einer Karrieremesse, und nun bin ich tatsächlich an einem bestimmten Job interessiert. Bis dahin hat der Arbeitgeber vieles richtig gemacht.

Von nun an macht es mir das Unternehmen als Bewerber leider schwer, mich einfach und in all meiner Vielfalt zu präsentieren. Es will von mir Informationen, bei denen ich mich als Bewerber ständig frage, für wen diese am Ende wirklich relevant sind.

Artikel
© Harvard Business Manager 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Aktuelles Heft
Titelbild
ANZEIGE
Unsere Bestseller
  • HBM 9/2012
    Schwerpunkt
    So funktioniert moderner Vertrieb

    Zum Heft
  • HBM 12/2012
    Change Management
    In Zeiten schnellen Wandels

    Zum Heft
  • HBM 5/2013
    Geschickter verhandeln
    Wie Sie Emotionen klug einsetzen und auch in komplexen Situationen gute Ergebnisse erzielen

    Zum Heft
Folgt uns auf Facebook
Nach oben