Wie Arbeitgeber Talente abschrecken

30. Juni 2010

3. Teil: Sucht eure Talente doch woanders (Lesermeinungen)

Kommentar 54

Mit Verlaub ... das, was hier der Herr Professor von sich gibt, weiß jeder, der sich auch nur ansatzweise mit HTML-Formularen in seinem Leben herumgeschlagen hat. Und es ist mir wirklich ein Rätsel, wie dieser "Wissenschaftszweig" in gleichem Masse auf diesen WEB X.0 Modekult aufspringen konnte und ihn auch noch als das zukunftsweisende Mittel propagieren konnte: "Onlinebewerbung via WEB-Formular".

Jeder, der sich mit WEB-Technik beschäftigt weiß: Einfach, barrierefrei, respektive Datenschutz/ mit einer Vielzahl verschiedener Browser online im Dialog mit einer Anwendung funktioniert nur, wenn wenige Daten technisch mit solider Basistechnik (mehr nicht) und eben nicht motivationhemmend mit vielen Feldern abgefragt werden. Für die weitere Kontaktanbahnung muss dann im nächsten Schritt bei gegenseitigem Interesse eben auch der Personalabteilungsapparat mehr Initiative zeigen und selber dann mehr Informationen anfordern und zwar NICHT mit einer Standard-Email !

So sehr braucht man sich dafür wahrlich nicht die Köpfe zu zerbrechen. Online-Kommunikation funktioniert aufgrund der relativ anonym empfundenen und oftmals auch als oberflächlicher empfundenen Interaktion anderer konzeptioneller Herangehensweisen als die 1:1-Adaption eines Personalbogens. ..."Schön" dass die Bewerber mir dann jetzt schon die erste Dateneingabe für die Personalaktenanlage abnehmen ... echt praktisch. Es sind grundlegend andere "Prozesse" gefragt.

Schon 'mal darüber nachgedacht, dass der Zwang zu mehr "online" auch Bewerber "einfach" abschrecken und sogar diskriminieren kann? Muss eine "Fachkraft" sich wirklich mit "blöder" Browsertechnik und Internet-Einbgabetechnik auskennen? Das Internet und der Umgang mit Computertechnik sind eben doch nicht einfach - auch wenn die Internetmedienwelt das mit Penetranz verkündet - und lässt mit Sicherheit jeden Personalchef und jeden HR-Professor mehrmals am Tag "verzweifeln" und fluchen!

Ein freundlicher aber auch ein wenig sprachloser Gruß angesichts dieses "Erkenntnisniveaus" von

b.musterfrau


Kommentar 53

Als Professional habe ich schon manche Stellenanzeige beim Anklicken des Online-Formulars schlicht abgebrochen: Einem Unternehmen, das kreative Problemlöser bzw. Manager mit gesundem (!) Selbstbewusstsein sucht und das als erstes (!) die Kandidaten mit unwürdigen Zwangsoffenbarungen quält, traue ich einfach kein verantwortungsvolles Personalmanagement zu. Als Absolvent ist man noch jung, will viel ausprobieren und lässt erfahrungsgemäß noch mehr mit sich machen. Um so mehr Erfahrung man aber ansammelt, um so mehr erwartet man auch, dass die Unternehmen die Persönlichkeiten in ihren Mitarbeitern individuell anerkennen. Einem Unternehmen, das schon an der Stelle versagt, schenke ich keine weitere Aufmerksamkeit.

Peer Köster


Kommentar 52

Ich hatte Ende der 90er bei HP ungefähr die gleichen Erfahrungen gemacht. Da hab ich dann lieber ein eigenes Unternehmen gegründet ...

Housetier


Kommentar 51

Mir ist meine Zeit zu kostbar, die ganzen Bewerbertools mit sehr vielen Informationen von mir zu befüllen und dann als Antwort zu bekommen, dass die Stelle anderweitig vergeben ist. Ich verstehe ja, dass die Personaler auch viel Arbeit zu erledigen haben. Aber wenn man dann um eine Antwort bittet, warum man nicht auf das Profil passt, finde ich es schade, wenn keine aussagekräftige Argumentation kommt und man das Gefühl bekommt, dass sie sich keine Sekunde mit den Bewerbungsunterlagen auseinandergefasst haben. Es ist sehr demotivierend, mit einer 0815-Nummer abserviert zu werden und beflügelt auch nicht gerade, dass man sich in dem Unternehmen nochmals bewerben möchte.

Cigdem Serbest


Kommentar 50

Wir haben unsere Onlinebewerbung bewusst so gestaltet, dass nur wenige Standards abgefragt werden und das Abtippen des Lebenslaufs unterbleibt. Statt dessen stellen wir offene Fragen, die auf die jeweilige Position abgestimmt sind und dazu dienen, die Einstellungen der Bewerber zu erfassen. Eine Minderheit findet auch das zu aufwendig und schreibt dann "siehe Lebenslauf" - wenn die Antworten dort dann aber nicht zu finden sind, ist das für uns ein K.O- Kriterium.

Ein großer Teil der Bewerber sieht jedoch die Chance, sich individuell zu präsentieren, und nutzt sie souverän und ausführlich. Und wir freuen uns, alle wichtigen Fragen beantwortet zu bekommen - nichts ist ärgerlicher, als vielversprechende Bewerbungen zu erhalten, die sich über wichtige Faktoren jedoch ausschweigen. Besonders schön ist es, die Rückmeldung zu bekommen, dass ein Bewerber das Gefühl hat, dass wir ihn "wirklich" kennen lernen wollen. Ich freue mich, hier zu lesen, dass wir auf dem richtigen Weg sind!

Sandra Wohlers


Kommentar 49

Große Unternehmen haben viel Daten zu verarbeiten. Wer sich dort bewirbt muss damit täglich leben. Davor sind auch Charaktere und kreative Denker nicht gefeit. Wer diese Arbeitsweise scheut kann sich dementsprechend kleineren Unternehmen bewerben. Dort wird händeringend Fachpersonal gesucht, selten ein standardisiertes Bewerbungsverfahren angewandt und auch nach exotischen Multi-Talenten gesucht.

Matthias


Kommentar 48

Ein dickes Kompliment, gut und unterhaltsam geschriebener Artikel! Ich kann das Geschriebene nur unterstreichen, denn ich habe mich im Zuge meiner Diplomarbeit sehr intensiv mit Online-Bewerbungsformularen auseinander gesetzt. Auch als Bewerber ist mir die Freude oftmals an der Bewerbung vergangen. Und wenn ich - sei es als Berater einer Agentur für Personalmarketing oder einfach aus Spaß an der Freud - solche Formulare analysiere, könnte ich manchmal verzweifeln und frage mich, was geht eigentlich in den Köpfen der Verantwortlichen vor? Wollen die mich letzten Endes gar nicht als Bewerber haben? Warum hat bspw. die Technologie des CV-Parsings noch nicht in den Köpfen Einzug gehalten? Warum muss mich durch zig Formularseiten klicken, wenn ich letzten Endes im Idealfall meine Unterlagen als PDF anhängen kann? Was ich auch nicht verstehe, ist: Wenn sich Unternehmen für sündteure SAP-Lösungen entscheiden, die in punkto Usability und anderem einen absoluten Graus darstellen und andere, günstigere Systeme dabei auf der Strecke bleiben. Ich bin gespannt auf die Diskussionen!

personalmarketing2null


Kommentar 47

In vielen Fällen sind die Online-Formulare in der Tat unattraktiv gestaltet, aber auch hier stecken die Unternehmen in einem Lern- und Entwicklungsprozess. Und wer glaubt, dass bei einer Papierbewerbung andere Kriterien und Maßstäbe angelegt werden als bei Online-Bewerbungen, der irrt sich! Hier wird genauso zuerst auf die Abschlussnote und Studienrichtung geschaut, bevor sich mit dem Anschreiben befasst wird (was häufig von Bewerbern nach Schema F geschrieben und gerade mal der Name des Ansprechpartners ausgetauscht wird ...)

Der große Vorteil von Online-Bewerbungen per Formular ist, dass Recruiter aus verschiedenen Unternehmensbereichen dadurch doch erst die Chance haben, auf einen Kandidatenpool zuzugreifen und sich die Chance für den Bewerber erhöht, eine Stelle zu bekommen - wie soll das mit E-Mailbewerbungen gehen, die nur bei einer einzelnen Person landen?!

Blogkommentar


Kommentar 46

Dieser Beitrag schildert das Problem pointiert. Ich meine, dass die HR-Abteilungen von größeren Unternehmen mit solchen Tools schlecht beraten sind, die zwar die Rekrutierungseffizienz verbessern, die -effektivität aber signifikant verschlechtern. One-Click-Bewerbungen mit automatischer Extraktion der CV-Daten, Crossmatching und arbeitnehmerfreundlichen Alternativangeboten, "Abholen" von Bewerbenden statt "Aussperren" usw. sind doch heute keine leeren Phrasen mehr. Dafür gibt es längst smarte Lösungen und Benchmarks, die beweisen, dass das Recruiting-Business nicht nur effizient, sondern auch effektiv sein kann!

Cornel Müller


Kommentar 45

Die Unternehmen bemerken nicht was ihnen entgeht. Sie haben selbst dafür gesorgt, dass sie es nie erfahren werden!

Oliver


Kommentar 44

Ich stimme in der Aussage des Artikels 100prozentig überein. Nur bisweilen finde ich es komisch, dass in einem anderen Artikel auf der gleichen Webseite vom 29.09.2010 "Karriereportale - Von Eon, BMW und Bayer lernen" gerade BMW als positiv herausgehoben wird. Klar liegen in diesem Artikel wohl deutlich mehr Kriterien zugrunde. Aber das hier ein Unternehmensauftritt gelobt wird und im nächsten Artikel das gleiche Portal (meines Erachtens berechtigt) als schlecht bezeichnet wird finde, ich gelinde gesagt nicht optimal und bisweilen verwirrend.

Dirk P.


Kommentar 43

Es mag schon sein, dass sich mit solchen Systemen sehr viele Bewerber im vorhinein selektieren lassen. Aber die Individualität, die wirklichen Stärken oder Einsatzfreude etc. ist nicht gefragt und lässt sich wohl auch nicht mit solchen Systemen herausbringen ... Schließlich sind die Bewerber auch immer noch Menschen und keine Maschinen oder Prozesse!

Ich denke, kein wirklich flexibler, kreativer und/oder motivierter Mitarbeiter will so einem System wirklich folgen! Meine Erfahrung ist, dass direkte Empfehlungen oft die bessere Alternative ist.

Joachim v. Petersdorff


Kommentar 42

Online-Bewerbungen sind sinnlos weil sie im allgemeinen in einem 'schwarzen Loch' verschwinden. Das habe ich mir schnell wieder abgewöhnt. Wenn ich nicht anrufen kann, um zu klären, wo der Bewerbungsprozess steht und ob die Stelle überhaupt echt ist bzw. tatsächlich extern besetzt werden kann anstelle einer dieser vielen Schein-/Pflichtveröffentlichungen zu sein, mach ich mir gar nicht erst die Mühe. Was mich belustigt hat ist natürlich der nicht fehlende Hinweis im Artikel, dass die Unternehmen "händeringend" nach Leuten suchen. Dieses Gelaber geht einem einfach nur auf den Geist.

Tom W.


Kommentar 41

Ich arbeite als Coach für die Elite der deutschen Wirtschaft. In Seminaren bereite ich Manager und auch viele Personalleiter - seelisch und sprachlich - auf einen Auslandsaufenthalt vor. Leider muss ich feststellen, dass fast alle Personalleiter nach einem festen Schema arbeiten. Gerade deswegen gibt es kaum Platz in den Firmen für Elite und Individualisten. Die Angst, eine Persönlichkeit einzustellen ist zu groß. Aus Spaß habe ich vielen Personalleitern die Frage gestellt: "Würden Sie mich einstellen?" Die Antwort war: "Hm, da müssten wir erst das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen". Von vielen namhaften HR-Menschen habe ich in meiner Karriere nur zwei Personen getroffen, die mich beeindruckt haben.

Mark Wolkanowski


Kommentar 40

Ich habe im vergangenen Jahr viele Bewerbungen geschrieben und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Online-Bewerbungsportale maximal die zweitbeste Alternative sind. Man landet mit seiner Bewerbung immer im "großen Wäschekorb" oder wird gar, weil man in einem Feld nicht die notwendige Schwelle überspringt, automatisiert aussortiert. Sinnvoll war es aus meiner Sicht, Kontakt außerhalb der Personalabteilung zu suchen und sich dort direkt per Mail mit Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnissen im Anhang zu bewerben. Während Personaler von Bewerbern regelmäßig verlangen, sich online zu bewerben, können sie, so denn die Bewerbung von einer Führungskraft im eigenen Hause weitergeleitet wird doch auch Emailbewerbungen sogar sehr zügig bearbeiten.

Diskutant


Kommentar 39

Die beschriebenen E-Recruting Systeme wurden wohl für Fabrikarbeiter konfiguriert. Die Firmen, die nicht zwischen einem High Potential und einem Routinearbeiter unterscheiden können, brauchen dringend gute Geister (kreative und verantwortungsbereite Mitarbeiter). Personen, die sich erfolgreich durch solche Systeme quälen, werden künftig nur den Verwaltungsgeist nähren.

NJF MBA


Kommentar 38

Ich bin ganz Ihrer Meinung Herr Trost. Persönlich schreckt es mich ab, obwohl ich mit der IT groß geworden bin (24 Jahre mittlerweile).

Kürzlich rief ich in einem Unternehmen an und meinte, es wäre ja wohl mehr als sinnlos, mich für mehrere Stellen, die inhaltlich bis auf kleine Nuancen Abweichungen hatten, gleichzeitig zu bewerben und dann auch noch die gleichen Unterlagen zu hinterlegen. Die Antwort war lapidar, das spielt keine Rolle und man müsste sich ja schließlich entscheiden.

Wo sind wir gelandet?! Haben wir nur noch hirnlose Roboter auf der anderen Seite?! Das Absurdeste was ich kürzlich erfahren musste, hatte eine Bekannte erlebt: Sie bewarb sich wie in guter alter Manier mit physikalischem Anschreiben und zusätzlichen Unterlagen. Nach kurzer Zeit erhielt sie die Aufforderung sie müsse sich auch noch ZUSÄTZLICH online bewerben - ohne Worte!

Manager


Kommentar 37

Viele Unternehmen denken nicht weit genug! Jede/r Bewerber/in hat ein individuelles Berufsbild, Charakter und Erfahrungen und der/die Bewerber/in sollte es Wert sein, ihn als Persönlichkeit kennen zu lernen - schließlich will man ja einen Arbeitsplatz besetzen - wie soll aber nach 'Schema F' dieses funktionieren? Wer nicht in die Spalten passt, die ein Unternehmen für Bewerber vorgibt, hat verloren. Von den technischen Tücken einmal ganz zu schweigen. Wo sind wir denn hingekommen - ist ein Bewerber nichts mehr wert?

Karin Neddermeyer


Kommentar 36

Ich habe schon seit langer Zeit aufgegeben Bewerbungen zu schreiben, weil man ohne Hochschulabschluss von vornhinein als dumm und unpassend eingestuft wird. Seit zwei Jahren bin ich selbständig und werde nie als Arbeitnehmer arbeiten. Meine Kenntnisse werden sowieso ohne Diplom nicht anerkannt. Auch wenn ich Talent in meiner Arbeit habe und es mir reichlich Geld bringt, wird mich kein Personaler nehmen, denn ich passe nicht in das typische Bild eines "Talents". Talent wird man in der Bürokratie, wenn man 1er Abschluss hat, 1000 Praktika absolvierte und drei Jahre Berufserfahrung und und und und ...

Sorry, sucht eure Talente woanders, ich mach mein Geld ohne diesen Papiermist.

Nichts


Kommentar 35

Als Software-Entwickler habe ich mich schon sehr oft beworben. Insbesondere bei einigen großen renommierten Unternehmen habe ich irgendwann beim Ausfüllen der Formulare aufgegeben. Es gibt mehr als genug andere Unternehmen, bei denen es auch möglich ist, sich einfach nur per Email zu bewerben.

Ob eine Personalabteilung durch bestimmte Arbeiten entlastet wird oder nicht, ist mir als Bewerber wirklich vollkommen egal. Ich zumindest habe keine Lust kostenlos für ein Unternehmen mehrere Stunden lang zu arbeiten!

Auf der anderen Seite habe ich es schon mehrfach erlebt, dass ich durch Vermittlung eines Rekruiters zu einem Vorstellungsgespräch kam, bei dem ich ernste Probleme hatte, mein eigenes Profil wiederzuerkennen, da es vom Rekruiter komplett umgebaut worden war. Hier scheint man bei der Personalvermittlung viel zu viel Zeit zu haben.

Interessant ist vielleicht insofern auch, dass es Freiberuflern bei den meisten größeren Unternehmen kaum noch möglich ist, in Projekte ohne Rekruiter zu kommen. Da die meisten Rekruiter Margen im Bereich von 20 Prozent bis 30 Prozent verlangen, kann man sich nur wundern, wieso die Unternehmen hier nicht versuchen, die Freiberufler direkt zu bekommen ...

Dr. Fledermaus


Kommentar 34

Es gibt sogar einige Systeme, die nicht einmal den Upload einer eigenen Vita ermöglichen. Da heißt es, alles per copy and paste einfügen, natürlich müssen dann alle Tabstops und Umbrüche neu gemacht werden. Das kann dauern. Apropos dauern: Es geht das Gerücht, die Zeit zum Ausfüllen werde protokolliert und als Bewerbungskriterium genommen. Wenn man zukünftig ohnehin alles in die O/I Schemata der Datenverarbeitung steckt, kann man doch gleich eine Vernetzung zu den Universitäten oder Ausbildungsbetrieben herstellen. Auf dass der Mensch seelenlos durch mathematische Formeln durchgereicht werde, um am Ende rechnergestützt und umweltoptimiert eingeäschert zu werden. Schöne neue Welt!

Stefan Zückmantel


Kommentar 33

Liebe Absolventen (und das sind ja viele von denen, die hier einen Kommentar hinterlassen haben),

als Arbeitgeber und Leiter einer 400-Mann-Niederlassung eines internationalen Unternehmens mit ständigem Bedarf an Nachwuchsingenieuren nehme ich mit Interesse und auch mit Bedauern zur Kenntnis, wie die gängigen, auch bei uns geübten Online-Verfahren von Ihnen gesehen werden. Sicher lässt sich die "Onlinisierung" der ersten Bewerbungsschritte kaum mehr rückgängig machen. Sie hält wohl eine Menge von "auf-gut-Glück-Bewerbungen" oder "haarscharf-nicht-gelogen-Anschreiben" außen vor. Aber die Forderung nach mehr Gestaltungsfreiheit und höhere Individualisierbarkeit der Unterlagen nehme ich gerne als Anregung mit, wenn die nächste "Talent-Jagdsaison" beginnt.

P.S.: Ihnen allen viel Erfolg bei der Suche nach dem Traum(einstiegs)job! Und auch wenn Sie's nicht mehr hören können: Die Chancen für qualifizierte und motivierte Berufsanfänger steigen eher an, als dass sie fallen! Nur die Suche dauert heute leider länger als früher.

Niederlassungsleiter


Kommentar 32

Wenn bei einem Unternehmen eine EMail-Bewerbung nicht möglich ist, weil man ein Formular ausfüllen soll, bewerbe ich mich dort erst gar nicht. Denn das lässt Böses über den Wert von "Individualität" (unerwünscht) und "Bürokratie" (erstickend viel) im Unternehmen erahnen.

Jan


Kommentar 31

Die von Beratungsfirmen teuer eingeführten Systeme sind in der Tat alle ziemlich schlecht. Wir bei uns bevorzugen deutlich EIN aussagekräftiges PDF und freuen uns über jeden Bewerber der es schafft, den Dateinamen individuell zu gestalten und nicht "Bewerbung.pdf" wählt.

Holger Blank


Kommentar 30

Für ältere Arbeitnehmer/innen oder welche die öfter den Arbeitsplatz gewechselt haben aber auch für Arbeitnehmer/innen, die viele Zusatzqualifikationen erworben haben oder mehrere Berufsabschlüsse haben, reicht der maximal zur Verfügung stehende Platz für Anhänge (32 MB) nicht aus. Auf dem Land sind die Datenleitungen oft so langsam und die Verbindungen so schlecht, das vorher ein Time-out oder ein Serverabsturz kommt. Arbeitsproben lassen sich sowieso nicht per Email übermitteln.

Michael Clemens


Kommentar 29

Der Artikel beschreibt, was ich seit einigen Tage erleben - eher erleiden - muss. Auch wenn es sich im Bewerbungsgespräche nicht schickt, die Zahl der Bewerbungen zu nennen, die synchron mit anderen Firmen gestartet wurden, so ist doch eines zweifelsfrei: In der derzeitigen Wirtschaftslage müssen Absolventen ihr Bewerbungsrisiko (Zeitspanne zw. Abschluss und 1. Job) minimieren. Also bewirbt man sich auch bei Firmen, die vielleicht nicht die persönlichen TOP 5 sind.

Oft nimmt eine Online-Bewerbung je Ausschreibung eine Stunde in Anspruch. Immer wieder aufs Neue quetscht man seinen Lebenslauf in irgendwelche und dann - wie beschrieben - wirft das System einen heraus oder akzeptiert Eingaben einfach nicht.

Ironie: Internationale Erfahrungen wird gefordert, aber in den strikten Masken wird NICHT erlaubt eine US-Mobilfunknummer einzugeben.

BMW ist in meinen Augen der Worst Case. Insbesondere mit der Selektion von Kenntnissen und deren Level! Dies macht das Leben nur leicht für HR und Personlchefs.

US - Praktikant


Kommentar 28

Erst vor ein paar Tagen hat mich eine solche Seite wieder abgeschreckt und eine Bewerbung verhindert. Ärgerlich sind auch technische Hürden - so wurde besagte Seite nicht richtig in Firefox 3 dargestellt (laut diverser Marktforschungsinstitute in Deutschland mittlerweile Marktführer). So etwas nicht nur ärgerlich sondern auch extrem peinlich für ein High-Tech-Unternehmen.

Erschwerend kommt oft noch hinzu, dass man Eingaben nicht zwischen- oder abspeichern kann, so dass eine wiederholte Eingabe, wie im Artikel beschrieben, erforderlich ist. Es mag glorreiche Ausnahmen geben, ich bewerbe mich aber weiterhin bevorzugt per EMail.

Daniel


Kommentar 27

Der Artikel trifft es sehr gut. Ich habe mich während meiner Bewerbungsphase ständig über die wirklich umfangreichen Menus und Eingabefelder geärgert. Aber das unverständlichste: Im Prinzip überall soll man seinen Lebenslauf in die vorgegebene Maske eingeben, um ihn dann am Ende doch noch als eigenes File mit individueller Gestaltung anzuhängen. Und das ist dann im späteren Vorstellungsgespräch meist auch die Version, die die Personaler und Fachkräfte ausgedruckt vor sich liegen haben!

alx


Kommentar 26

Ich bewerbe mich bei großen Unternehmen aus diesen und anderen Gründen gar nicht mehr! Denn: a) ist die Online-Bewerbung unglaublich kompliziert b) endet die Bewerbung in der "runden Ablage"

Ich habe an einem Freitag eine Online-Bewerbung versendet, am Montagmorgen dann die Mitteilung bekommen "Sehr geehrter Herr blabla, nach gründlicher Prüfung können wir sie nicht berücksichtigen und haben die Stelle anderweitig vergeben ..."

Ich bin noch am selben Tag von einer Zeitarbeitsfirma angerufen und gefragt worden, ob ich den Job haben will!!!

So läuft das leider ...

anonymous


Kommentar 25

Dem Artikel kann man nur zustimmen. Leider geht das Thema mit den Unzulänglichkeiten dann aber gleich weiter. Sehr viele Unternehmen bedienen sich im Rahmen von Outsourcing zur ersten Sichtung verschiedener Personaldienstleister. Dort werden die Daten dann nach ganz einfachen Kriterien sortiert, so dass diese Arbeit im Zweifel auch durch Werkstudenten oder ähnlich qualifizierte Personen erledigt werden kann. Ich habe in den vergangenen Jahren (vor 2009!) viele Mitarbeiter meiner Fachabteilung eingestellt und muss leider sagen, dass die Bewerber, die über persönliche Kontakte vermittelt wurden, eine fünf bis sieben Mal höhere Trefferquote hatten als die durch den Dienstleister ausgefilterten. Andererseits haben Unterlagen passgenauer Bewerber über den Dienstleister nie den Weg auf meinen Schreibtisch gefunden.

Solange Firmen dem Einstellungsprozess einen so geringen Stellenwert beimessen, bekommen sie leider nie die besten Bewerber.

HR-Outsourcing


Kommentar 24

Sehr schön und treffend formuliert spiegelt sich hier meine seit Jahren gefestigte Meinung als Personaler wieder. In Selbstversuchen habe ich schon eine Vielzahl der eingesetzten E-Recruiting-Systeme getestet und habe ehrliches Verständnis, wenn ein Bewerber hier die Motivation verliert. Das zeitintensive Einpressen der eigenen Person in so ein System lässt unter Umständen auch den faden Beigeschmack einer Nummer unter X zu sein und im Nachgang nur durch ein Computerraster beurteilt zu werden.

Torsten Schrader


Kommentar 23

Eines der Grundübel liegt an dem Hang zum Business Process Management: Wer als Konzern oder großer Mittelständler auf SAP HR setzt, benötigt eine Menge an strukturierten Daten, um das System zu füllen. Unternehmen lassen also ihre (möglichen) Kandidaten ihre eigene Arbeit (data entry) machen. Ich denke, dass Unternehmen mit einem Quick-apply Mechanismus, in dem nur Name und Email anzugeben und ein CV hochzuladen sind, beträchtlich gegenüber Wettbewerbern profitieren können, die auf Application Tracking Systeme setzen und hohe zeitliche Hürden aufbauen.

Jonas Cords


Kommentar 22

Es ist absolut frustrierend, diese nach Schema aufgebauten Formulare auszufüllen. Bestimmte Ausbildungsschritte, wie Fernlehrgänge lassen sich oft gar nicht erfassen, Hochschulen o.ä. sind vorbelegt, aber unvollständig. Alles erinnert irgendwie an eine Rasterfahndung mit Scoring-Punkten. Das sind dann aber die gleichen Firmen, die nach selbständig denkenden, kreativen Köpfen rufen. Woher soll's kommen ...? Ich selbst habe bessere Erfahrungen mit Netzwerken und noch bessere mit persönlichen Kontakten auf Seminaren gemacht, da umgeht man die Online-Bewerbung einfach elegant.

jack24


Kommentar 21

Als Berufseinsteiger ist meine Meinung: Bewerben per Email mit CV und Zeugnissen als PDF ist mein Wunsch-Weg. Diese Eingabemasken sind wirklich schrecklich. Man gibt mühsam alle Infos per Hand noch einmal ein, die man schon im CV/Anschreiben für das Unternehmen aufbereitet hat - für mich ein klares Minus.

Hans


Kommentar 20

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Ich fühle mich schlecht behandelt und die Hürde ist recht hoch und der Leidensdruck muss schon dementsprechend groß sein, um einen erfolgreichen Professional über solche Online-Seiten ins Unternehmen zu schleusen. "Locken" sieht jedenfalls gaaanz anders aus.

schonüber40


Kommentar 19

Ich kann mich den Erfahrungen von Herrn Professor Trost vollumfänglich anschließen. Ich befinde mich gerade im Bewerbungsprozess und mache sehr ähnliche Erfahrungen. Komplizierte Anmeldeverfahren, eine mehr als unübersichtliche Menüführung und zu allem Überfluss am Ende des Prozesses nur 3MB zum Hochladen der Zeugnisse, Referenzen und sonstiger Unterlagen.

Ich schließe die Homepage wieder und bewerbe mich eben nicht. Den Unternehmen gehen durch diese Art sicherlich viele geeignete Kandidaten verloren. Das alles ist aber nur die eine Seite der Medaille. Einmal zum Gespräch eingeladen geht das Elend aus meiner Erfahrung weiter. Schlecht vorbereitete Personaler, Handys, die zwischendurch klingeln (und Menschen, die dann auch ausgiebig telefonieren), oder Entscheider, die - ohne Mitteilung - 30 Minuten verspätet in den Termin kommen. Ich fühle mich dadurch sehr geringschätzend behandelt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nicht der einzige Kandidat bin, den ein solches Verhalten stört.

Michael Morcinek


Kommentar 18

Endlich mal ein Artikel der beschreibt, was mich seit Jahren schon ärgert (damals noch bei der Suche für ein einfaches Praktikum). Ergänzt werden diese Online-Bewerbungen durch sinnlose Online-Assessment-Center, welche einem mitunter über vier Stunden Zeit rauben (z.B. bei Daimler). Das Ärgerliche ist, dass vermutlich erst nach dem automatischen Filterprozess und der dann vermutlich automatischen Einladung zu diesem zeitraubenden Assessment Center erstmals ein Personaler die Bewerbung anschauen wird.

Ich persönlich habe jedenfalls meine Konsequenzen getroffen. Bei meinen Bewerbungen für die Master Thesis hatte ich mich nur noch bei Unternehmen beworben, welche Bewerbungen per Email zulassen.

Dabei passierte etwas anderes Kurioses, so hatte Mercedes AMG für eine einzelne Stellenanzeige direkt nach einer solchen Email-Bewerbung (oder alternativ eine Postadresse) gefragt. Positiv überrascht schrieb ich gleich eine solche Bewerbung, nur um am nächsten Werktag eine Aufforderung zur Onlinebewerbung zu bekommen!

Cerberus


Kommentar 17

Unglaublich finde ich, dass große Personalvermittler ebenso wie Großkonzerne heute elektronische Bewerbungen elektronisch scannen und vorsortieren. Da brauchen sich die Personalmanager nicht wundern, wenn nur wenige Bewerbungen wirklich relevant sind.

Piet


Kommentar 16

Da kann ich nur zustimmen. Die Bewerbungstools von BMW oder Daimler sind definitiv nicht gut. Novartis zum Vergleich ist 100x besser! Die Daten werden aus dem Lebenslauf pdf ausgelesen und man muss sie danach nur noch checken. Viel besser und schneller. Ich mache gerade meinen MBA und wollte bzgl. Projekten zum Beispiel mit der BMW-Personalabteilung Kontakt aufnehmen - keine Chance!

Christian Hanesch


Kommentar 15

Man hört oft, dass Personaler "echte Charaktere" suchen, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Aber aussuchen tun sie diese "echten Charaktere" wie der gewöhnliche Hanswurst sich seine neue Karre auf autoscout24.de aussucht: nämlich nach Baujahr, Leistung, Austattung, Extras und sogar Postleitzahlen (Es gibt Möglichkeiten, bestimmte Postleitzahlen sofort aus dem Pool zu schmeißen, weil es sich um Arbeiter- bzw. Problemviertel handelt). Die Personaler halten dagegen, dass die Bewerberflut anders nicht zu bewältigen ist. Das macht die Methode aber trotzdem nicht weniger stupide.

1stejn


Kommentar 14

Sehr richtig! Ich bin Ingenieur und bewerbe mich derzeit bei Unternehmen. Auf den Internetseiten, Jobmessen usw. zeigen die Firmen sich von der besten Seite und sehr offen. Doch dieser erste Eindruck ist fast immer falsch. Die Bewerbungsprozesse sind demotivierend und oft technisch mangelhaft. Bis zur fertigen Bewerbung vergeht sehr viel Zeit und am Ende will man schon kaum mehr was mit der Firma zu tun haben, die einen so gängelt.

Diese Systeme sind international standardisiert und man hat große Mühe, sein eigenes Profil in diese Standardform zu pressen. Was dann am Schluss in den unzähligen Feldern steht, hat kaum mehr etwas mit mir zu tun. Sieht eher wie irgendeine DIN-Norm von Menschenmaterial mit diversen Features aus.

Zudem sind diese Online-Bewerbungsbögen zunächst nutzlos. Man muss regelmäßig in den unübersichtlichen Stellenausschreibungen blättern und nach einer geeigneten Stelle suchen, um sich dann noch einmal auf jede mögliche Stelle einzeln zu bewerben. So vergehen frustrierende Stunden und Tage, mit dem Erfolg einer maschinellen Antwort, in der sich der Computer für die Bewerbung bedankt. Das alles ist Frust pur! Ein Bewerber, der etwas von sich hält, wird diese Systeme hassen.

Pula


Kommentar 13

Der Leistungsdruck geht auch am HR nicht vorbei: die Clusterung der Profile erleichtert die Suche nach dem geeigneten Kandidaten, lässt aber sicherlich auch einige potenzielle durchs Sieb rutschen. Die beschriebene Ärgernis der Online-Bewerbung ist weitläufig bekannt, wird aber immer mehr praktiziert/verkompliziert. Mir fällt besonders auf, dass trotz Online-Eingabe die Bearbeitung meist zeitlich massiv zu wünschen übrig lässt; im einen oder anderen Fall folgt nicht einmal eine Info über den Eingang der Bewerbung

Modern Performer


Kommentar 12

Das Thema Bewerbungen ist gerade unter Absolventen ein zur Zeit sehr heiß diskutiertes! Ich spreche aus eigener Erfahrung (Absolvent 2. Quartal 2009). Diskutiert wird allerdings kaum über die Form der Bewerbung. Vielmehr ist das Problem, dass generell kaum Einstellungschancen vorhanden sind! Das mag zum Teil der Krise geschuldet sein, ist aber auch ein Problem der Firmenpolitik. Viele Betriebe sind nicht mehr bereit, in die Einarbeitung von Bewerbern zu investieren! Sie wollen den perfekten Bewerber, der die Anforderungen der Stelle zu 120 Prozent erfüllt, möglichst drei bis fünf Jahre Erfahrung mitbringt, geringes Anspruchsverhalten gegenüber Gehalt, Arbeitszeiten usw. aufweist und möglichst unter 28 Jahre alt ist! So sieht die Realität aus - für mich und 90 Prozent meiner ehemaligen Kommilitonen!

Die Mär vom Fachkräftemangel wird Jahr für Jahr wieder propagiert, um sich einen großen Pool von hoch Qualifizierten zu schaffen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Dazu kommt, dass das Zählen von Stellenanzeigen, wie es der VDI immer wieder praktiziert und propagiert, kaum aussagekräftig ist. Auf jede offene Stelle kommen mindestens zwei bis drei Anzeigen, eine vom Betrieb + X von Vermittlern/Zeitarbeit. Die Medien steigen leider auf den Zug von VDI und anderen Lobbyverbänden einfach auf, anstatt selber zu recherchieren. Wer genau schaut, wird im Netz genügend Diskussionsstoff finden.

Noch ein Kommentar zum eigentlichen Thema Online-Bewerbungen: Wie wäre es, wenn Firmen im Zeitalter von Breitbandinternet Anhänge mit mehr als 1-2 Mb akzeptieren würden!? Da ist eine Diskrepanz vorhanden!

Meistens sieht es so aus, dass man gezwungen wird zum einen seine gesamten Daten (Lebenslauf, Zeugnisse, Noten, Anschreiben usw.) in ein Formular einzugeben und zusätzlich alles als PDF anhängt. Die PDFs bitte in hoher Qualität, aber insgesamt nicht größer als 2 Mb.

Da stimmt was nicht. Die Formulare sollten sich bitte auf die reinen Kontaktdaten begrenzen, der Rest geht dann als PDF mit maximal 10 Mb raus. Auch auf die Gefahr hin, dass sich dann jemand die Bewerbung tatsächlich anschauen muss.

Willi


Kommentar 11

Wow! Endlich mal jemand, der die Sache auf den Punkt bringt. Ich steckte noch bis vor kurzem in der Bewerbungsphase um ein Praxissemester und habe genau diese Erfahrungen gemacht. Allerdings sind mir noch andere ärgerliche Dinge bei Online-Bewerbungen aufgefallen:

Öfter ging es mir so, dass ich über das Jobportal eines Unternehmens ein Praktikum gesucht habe. Dann musste ich feststellen, dass das Unternehmen keine Praktika ausschreibt (obwohl ich 3 Tage vorher noch auf einer Jobmesse mit einem Personaler darüber geredet habe). Also versuche ich es über eine Initiativbewerbung und lande wieder ganz am Anfang bei einer völlig allgemein gehaltenen Maske, die überhaupt nicht auf die Situation zutrifft. Dies übrigens passierte teilweise auch, wenn ich mich auf konkrete Stellen bewarb.

Desweiteren ist es meiner Meinung nach eine Frage der Höflichkeit, dass ein Bewerber innerhalb eines Monats zumindest eine Empfangsbestätigung von einer realen Person (nicht zum Beispiel info@firma.de) bekommt, Absagen sogar früher. Wir Studenten müssen bei Praktika auch Fristen einhalten. Von mehreren Firmen habe ich bis heute noch nicht einmal eine Empfangsbestätigung erhalten. Das ist ärgerlich und schmälert die Lust, in dem Unternehmen zu arbeiten.

Jochen Mack


Kommentar 10

Es ist eine Frage der Machtverhältnisse. Nach meiner Wahrnehmung stehen viele Unternehmen immer noch auf dem Standpunkt, dass bei öffentlich ausgeschriebenen Stellen die Nachfrage das Angebot übersteigt. Insofern verspüren sie tief in ihrem Kern keinen Ehrgeiz, es den Bewerbern möglichst einfach zu machen - schließlich wollen die ja was vom Unternehmen und nicht umgekehrt.

Diese Denke wurde aus der Zeit der Papierbewerbung übernommen. Man möchte es dem Bewerber möglichst verunmöglichen, sich mit einer Bewerbungsmappe bei mehreren Arbeitgebern zu bewerben. Und wenn der Bewerber für jede seiner Bewerbungen eine neue Bewerbungsmappe produziert (und ihm dabei Kosten und Mühen entstehen), dann ist das egal - schließlich sind es ja nicht die Kosten und Mühen der Personalabteilung. Die schafft es noch nicht einmal, die eingesandten Unterlagen zeitnah zurückzugeben. Und darauf, dass sein Name auf dem Rücksendekuvert richtig geschrieben ist, sollte der Bewerber auch nicht seine Unschuld verwetten (alles schon in meinem Umfeld erlebt).

Ich glaube auch nicht daran, dass es einen Mangel an Ingenieuren gibt. Es gibt einen Mangel an Ingenieuren, die fließend vier Sprachen sprechen, ihr Studium inklusive zweier Auslandspraktika mit Note 1 abgeschlossen haben, unter 25 sind und für 2500 Euro Brutto 60 Stunden die Woche arbeiten wollen.

Es gibt bereits seit Jahren Pläne für ein standardisiertes Bewerberdatenformat. Der Bewerber legt einmal eine Bewerber-Datei an und lädt sie dann einfach bei jeder Online-Bewerbung hoch. Ändert sich etwas an seinem Lebenslauf, kann er das im Online-Portal ändern und bekommt eine aktualisierte Datei zurück. Damit würde es einem Bewerber leichter gemacht, sich mit geringem Aufwand bei mehreren Firmen zu bewerben. Doch das wollen die Unternehmen nicht: Sie wollen, dass man sich nur auf ein Unternehmen festlegt, und zwar schon bevor man von dem Unternehmen irgendwas bekommen hat. Das ist wie beim Abschlussball: Da kommt es auch nicht gut, wenn man ein Dutzend Frauen fragt, und dann mal abwartet, welche zusagt.

Frank Kemper


Kommentar 9

Der Artikel spricht mir aus der Seele. Ich habe mich vor Jahren als promovierter Ingenieur nach einem persönlichen Gespräch mit dem etwaig späteren Fachvorgesetzten bei Siemens beworben. Man gab mir einen Termin für ein Vorstellungsgespräch um 11:00, was für eine Anfahrt von fünf Stunden gerade noch erträglich ist.

Zwei Tage vor dem Termin rief man mich an und sagte, dass der Termin jetzt 9:00 sei. Kein Angebot, ein Hotel zu nehmen, dafür aber die aufmunternde Bemerkung "Ich weiß, das ist früh, aber Sie schaffen das schon." Damit war dieser Arbeitgeber für mich gestorben; eine sehr gute Entscheidung, wie ich heute weiß. Es regt mich aber auf, wenn von dort der Ingenieursmangel beklagt wird.

Erik Ziehon


Kommentar 8

Eine Online-Bewerbung kann nach meinen Erfahrungen nur zur Überprüfung des Profils verwendet werden, eine dann nachfolgende schriftliche Bewerbung ergibt ein viel besseres Bild über den Bewerber. Das kann dann gegebenenfalls durch ein Vorstellungsgespräch abgerundet werden.

Jürgen Haag


Kommentar 7

Ich frage Sie, wo findet denn dieser angebliche Fachkräftemangel statt? Weder bei mir noch in meinem nicht unerheblichen Bekanntenkreis ist davon nichts zu spüren - quer durch die Bank, Informatiker, Wirtschaftsingenieure, Grafiker, etc.

Ich denke, das HR bemitleidet sich hier einfach selbst, um vom eigenen Unvermögen abzulenken. Die Online-Bewerbungen helfen da nur, da in diesem undurchsichtigen Dschungel an Formularen und Eingabefeldern kein effektiver Beweis mehr möglich ist, eine Bewerbung ordentlich bearbeitet zu haben. Wenn einem hochqualifizierten Bewerber innerhalb von vier Stunden - und nachweislich ohne mit der Linie gesprochen zu haben - von seiten des HR eine Absage mit der Bemerkung "zu wenig Erfahrung" gesendet wird kann etwas nicht stimmen.

Die HR sollte endlich aufhören zu jammern, seinen Job gut machen, dann klappt's auch mit den Bewerbern - die gibt es nämlich entgegen allen Meldungen zu Hauf', sie werden nur nicht mehr gefunden!

C. Spiewok


Kommentar 6

Sehr treffender Artikel ... Gerade vor wenigen Monaten durfte ich selbst die Erfahrung machen, dass sich selbst die Bewerbung um ein Praktikum über das Medium Internet schwieriger und vor allem enervierender gestaltet, als alle individuell gestalteten und geschriebenen Bewerbungen zusammen. Man stellt sich irgendwann die Frage: "Möchte ich in einem Unternehmen arbeiten, wo schon vergleichsweise banale Vorgänge in einem solchen Chaos enden? Übrigens: sehr lustige Anekdote mit dem Kaffee! Passierte mir ebenso!

Atilla Sayan


Kommentar 5

Den Time-Out kenne ich sehr wohl und aufgeregt habe ich mich darüber auch schon sehr. In zwei Fällen habe ich die Bewerbung dann sein lassen, Pech für die Firma. Nach dem Diplom habe ich sehr viele Bewerbungen geschrieben, via Online-Formular und E-Mail. Dabei ist mir besonders das System der Deutschen Post unangenehm aufgefallen, die reinste Folter und abschreckend.

Anno Nym


Kommentar 4

Meine Erfahrungen sind ähnlich: Bewirbt man sich - gerade bei den Großen - als Ingenieur, füllt man zeitaufwändig ein Online-Formular aus und wird trotz dieses Aufwands in ein Schema gepresst.

Feinheiten wie zum Beispiel, dass ich mein Auslandsjahr in Frankreich absolvierte, ohne vorher die Sprache zu sprechen - etwas, worauf ich wirklich stolz bin, und was der Arbeitgeber ruhig wissen darf - fallen in die Kategorie "Auslandserfahrung zwischen 6 und 12 Monaten". Das trifft es nicht! Nicht in vollem Umfang.

Ein anderes Beispiel: Ich habe Wirtschaftsphysik studiert. Das gibt kein Auswahlmenü her. Ich hätte gern die Gelegenheit in zwei Sätzen zu erklären, warum dieser Studiengang bedeutet, dass ich genau die Richtige für diesen Job bin!

Eine Bewerbung braucht Zeit. Und jede Bewerbung sollte individuell auf das Unternehmen zugeschnitten sein. Dennoch kann ich bei mehreren Bewerbungen (und diese sind als Absolvent die Regel) vieles wiederverwenden. Bei Online-Formularen nicht. Schreibe ich analog zehn Bewerbungen in zwei Tagen, schaffe ich digital nicht mehr als zwei oder drei in dieser Zeit.

Und wo bleibt meine Chance auf einen individuellen ersten Eindruck? Schon die Wahl der Bewerbungsmappe und die Art der Gestaltung der ersten Seite kann so vieles ausmachen - Inhaltsverzeichnis? Anschreiben mit Foto? Nur ein Foto und ein Zitat, welches auf mich zutrifft? ... Individualität und den ersten Eindruck gibt es schlicht nicht mehr.

Ich möchte Onlinebewerbungen nicht verteufeln - im Gegenteil ist es gut und richtig, wenn Fähigkeiten kategorisiert werden und so (fast) völlig unabhängig von Vorurteilen nach dem richtigen Profil für die ausgeschriebene Stelle gesucht wird. Und ich habe auch keine Idee, wie man das Problem konkret besser lösen kann. Aber das ist auch nicht meine Aufgabe. Was ich mir wünsche, ist die Chance auf einen individuellen ersten Eindruck und sinnvoll verbrachte Zeit beim Schreiben von Bewerbungen. Alle Stationen meiner Ausbildung mit jeweils zehn Drop-Down-Menüs, in denen ich durch hunderte Möglichkeiten scrolle, von denen trotzdem keine die Realität trifft, ausfüllen - und das für jede Bewerbung aufs Neue, zählt nicht dazu.

Der Artikel spricht mir aus der Seele.

Anne


Kommentar 3

Mit Recherche und etwas Glück findet man den Namen/Email der Personaler im Internet. Ich habe meine Unterlagen auf diesem Wege online eingereicht. Die Personalerin hat mich zurückgerufen und die Daten selbst eingegeben.

Alexander


Kommentar 2

Diesen Ausführungen kann ich nur vorbehaltlos zustimmen. Stupide und stereotypische Strukturen, die unsinnige Details abfragen, sind nicht nur nervig, sondern schrecken mich auch ab. Wozu muss das Unternehmen die Ausbildungsschwerpunkte aus längst vergangenen Zeiten eines langjährig tätigen Arbeitnehmers wissen? Zudem weiß ich aus eigener Erfahrung, dass ich diesen Wust eines Kandidaten ohnehin im Vorfeld nicht lese. Also weshalb?

Es ist da genau so wie mit den Assessments. Sie dienen lediglich der Erzeugung von Messdaten, wo die Erfahrung bei der Einschätzung fehlt. Ich hoffe auf Besserung.

Jörg Riedel


Kommentar 1

Wer sucht denn TALENTE? Es werden Leute gesucht, die schon etwas GELEISTET haben. Beziehungsweise ... es werden Menschen gesucht, die keinen Makel haben. Und da sehe ich die Probleme: Die detaillierten Anfragen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, abgelehnt zu werden. Zuerst was anderes studiert? Der Kandidat weiß nicht was er will! Leerzeiten? Der Kandidat ist nicht leistungswillig! Zu viele Arbeitgeber? Der Kandidat kann sich nicht einfügen!

"Talente" will kein Mensch!

Uwe

Seite
1
2
3
Artikel
© Harvard Business Manager 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Aktuelles Heft
Titelbild
ANZEIGE
Unsere Bestseller
  • HBM 9/2012
    Schwerpunkt
    So funktioniert moderner Vertrieb

    Zum Heft
  • HBM 12/2012
    Change Management
    In Zeiten schnellen Wandels

    Zum Heft
  • HBM 5/2013
    Geschickter verhandeln
    Wie Sie Emotionen klug einsetzen und auch in komplexen Situationen gute Ergebnisse erzielen

    Zum Heft
Folgt uns auf Facebook
Nach oben