Karriereknick durch Babypause

Deutschland:

27. April 2010

  Auszeit für das Kind?  Der beruflichen Karriere von Frauen ist das in Deutschland nach wie vor nicht zuträglich, wie eine repräsentative Studie jetzt zeigt
DAK/ Wigger

Auszeit für das Kind? Der beruflichen Karriere von Frauen ist das in Deutschland nach wie vor nicht zuträglich, wie eine repräsentative Studie jetzt zeigt

Noch immer müssen hoch qualifizierte Frauen in Deutschland mit beruflichen Nachteilen rechnen, wenn sie eine Auszeit von mehr als sechs Monaten nehmen - etwa zur Betreuung eines Kindes oder betagter Eltern. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des New Yorker Think Tanks "Center for Work-Life Policy", die im Harvard Business Manager (Erscheinungstermin: 27. April 2010) veröffentlicht ist. In ihrer repräsentativen Befragung "Off-Ramps and On-Ramps Germany" erforschten Sylvia Ann Hewlett und Laura Sherbin die Auswirkungen einer Karrierepause bei 1000 Akademikerinnen und Akademikern.

Dabei berichteten 45 Prozent der Frauen, dass sie nach ihrer Auszeit weniger verdienten. 37 Prozent mussten Verantwortung für Managementaufgaben abgeben; bei 36 Prozent verschlechterten sich die Stellenbezeichnung - und das, obwohl die deutsche Rechtsprechung Frauen nach der Elternzeit eine Rückkehr zu den gleichen Bedingungen garantiert. Auch wenn sich deutsche Unternehmen offiziell oft frauenfreundlich geben: Viele Arbeitgeber haben sich noch nicht auf die Bedürfnisse hoch qualifizierter Mitarbeiterinnen eingestellt. So fühlten sich 53 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen stigmatisiert, wenn sie ihren Chef um flexible Arbeitsarrangements, Jobsharing oder Telearbeit bitten. Ein Viertel von ihnen fürchtet sogar, ihrer Karriere zu schaden, wenn sie nur danach fragten.

Dass sich viele weibliche Top-Talente im Beruf nicht gebührend gefördert oder anerkannt fühlen, habe paradoxerweise auch mit Deutschlands großzügiger Elternzeitregelung zu tun, meinen die Autorinnen. Da Eltern hierzulande - anders als etwa in den USA - für jedes Kind bis zu drei Jahre lang zu Hause bleiben können, glaubten viele Arbeitgeber, es lohne sich nicht, Frauen in ihrer Karriere zu unterstützen, weil diese früher oder später ohnehin für ihre Kinder aus dem Berufsleben ausschieden.

Dass Frauen mit Kindern oft mangelnder Ehrgeiz unterstellt wird, entlarvt die Studie jedoch als bloßes Gerücht: Weit mehr hoch qualifizierte Mütter geben an, sie seien überdurchschnittlich ehrgeizig als ihre männlichen Kollegen mit Kindern (32 zu 21 Prozent). Auch in zwei anderen Vergleichsgruppen (jünger als 30; verheiratet) sowie im Gesamtvergleich (30 zu 22 Prozent) ließen Frauen die Männer in punkto Ehrgeiz hinter sich.

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