Wie Innovations-Management 2.0 funktioniert

Blog:

Von Johann Füller
23. Februar 2010

Heutzutage stellt sich nicht die Frage, ob Unternehmen innovieren müssen, sondern vielmehr wie. Bei der Umsetzung neuer Ideen gehen sehr viele Manager noch immer erstaunlich konservativ vor. Sie setzen auf traditionelle Instrumente wie den Stage-Gate-Prozess, der den Innovationsprozess in bestimmte Schritte unterteilt, auf Portfolio-Management-Ansätze und streng hierarchische Entscheidungs- und Berichtsstrukturen. Den sich veränderten Rahmenbedingungen wird das aber kaum gerecht. Viele Führungskräfte ignorieren moderne Ansätze, das Wissen außerhalb des Unternehmens zu nutzen.

Vorbild Web 2.0: Onlinegemeinschaften sind ein Ort der Kreativität
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Vorbild Web 2.0: Onlinegemeinschaften sind ein Ort der Kreativität

Open Innovation und damit die Öffnung des Innovationsprozesses, Open-Source-Software, das Web 2.0 mit seinen vielen sozialen Netzwerken, Wikipedia, die Weisheit der vielen (englisch: Wisdom of the Crowd) und Online-Gemeinschaften, in denen die Kreativität und das enorme Wissen der Konsumenten gebündelt sind - all diese Phänomene haben bisher nur wenige Unternehmen in einer konsistenten Open-Innovation-Strategy zusammengeführt, wie die Studie von Kathleen Diener and Frank Piller, Wissenschaftler an der RWTH Aachen, zeigt.

Es besteht also deutlicher Handlungsbedarf. Veränderte das Web 2.0 zunächst Verhalten und Rolle der Konsumenten, wirkt es sich nun immer stärker auf die Arbeitswelt aus. Spätestens mit einer neuen Generation von internetaffinen Managern werden sich die Arbeitsabläufe in den Unternehmen verändern. Erfolgreiche Konzerne wie Google oder Gore ähneln bereits heute mehr sozialen Gemeinschaften - vergleichbar mit Online-Communities wie der rund um das offene Betriebssystem Linux - als dem traditionellen Unternehmenstypus. In naher Zukunft wird sich das Innovationsmanagement ändern und den neuen Gegebenheiten anpassen müssen.

Johann Füller lehrt am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus an der Universität Innsbruck

Johann Füller lehrt am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus an der Universität Innsbruck

Dieser Beitrag stellt Bestandteile eines Innovationsmanagements 2.0 vor. Neben Erkenntnissen aus der Forschung zu nutzergenerierten und gemeinschaftsbasierten Innovationen dienen die von den beiden Vordenkern Gary Hamel und Henry Mintzberg vorgestellten Management-2.0-Ansätze als Gedankengrundlage für die folgenden 14 Punkte. Dabei geht es in den ersten Abschnitten um Fragen der Führung und der Unternehmenskultur, anschließend um Organisatorisches und in den letzten Abschnitten um konkrete Möglichkeiten, mithilfe des Web 2.0 den Innovationsprozess zu öffnen:

Innovationskultur: Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Innovation im 21. Jahrhundert sind die Rahmenbedingungen im Unternehmen. Sie müssen den Innovationsprozess fördern. Hierarchische Strukturen, Bürokratie und festgefahrene Prozesse sind hier fehl am Platz. Das Management muss den Menschen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellen. Eine Unternehmenskultur sollte stets die geistige Vielfalt und das kommunikative Miteinander fördern, sowie auf allen Hierarchiestufen unternehmerisches Denken und einen transparenten Entscheidungsprozess ermöglichen. Nur dieser Bewusstseins- und Paradigmenwechsel garantiert schließlich ein erfolgreiches Innovationsmanagement 2.0. Ein gutes Beispiel auf Unternehmensebene ist die i-flash Community von Swarovski. Mitarbeiter aus allen Bereichen entwickeln hier gemeinsam neue Produktideen und arbeiten sie zu umsetzungsfähigen Konzepten aus. Mittlerweile sind die Mitglieder dieser Gemeinschaft an 70 Prozent aller Produktneueinführungen beteiligt; aus dieser Gruppe heraus entstanden bereits viele hochwertige Lösungen.

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