Wie Innovations-Management 2.0 funktioniert

23. Februar 2010

4. Teil: Im Dialog mit Mitarbeitern und Kunden

Mitmach-Plattformen: Eine erfolgreiche Innovation ist nicht die Leistung einer einzelnen Person, sondern das Ergebnis einer Gesamtleistung. Damit sich Mitarbeiter nicht nur zu bestimmten Anlässen über ihre Ideen austauschen, kann der Aufbau einer Innovationsgemeinschaft im Internet den langfristigen Wissensaustausch sichern. Alle Mitarbeiter sollten Zugang zu einer solchen Gemeinschaft haben, von Fall zu Fall aber auch andere Gruppen außerhalb des Unternehmens. Ausgehend von zwei Designwettbewerben hat der österreichische Kristallschmuckhersteller Swarovski eine Innovationsgemeinschaft aus professionellen Designern, aber auch interessierten Laien und Liebhabern ins Leben gerufen, die sowohl neue Ideen für die Produktentwicklung als auch für die Marketingforschung liefern.

Die Einbindung und der ständige Dialog mit Mitarbeitern und Kunden sind eine Bereicherung für jedes Unternehmen. Die aktive Mitarbeit am Innovationsprozess lässt sich durch einfach zu bedienende Instrumente wie etwa Konfiguratoren fördern, bei der die Beteiligten beispielsweise mithilfe vorgegebener Gestaltungselemente ein neues Design schaffen. Das Unternehmen kann so Einfallsreichtum, Erfahrung und Kreativität einer breiten Konsumentengruppe bei der Generierung und Umsetzung von Ideen nutzen.

Verteilte Innovation: Statt Innovationen traditionell zu entwickeln, kann es weit effektiver sein, eine komplexe Aufgabe in kleine Teileinheiten zu zerlegen. Diese können dann zahlreiche Mitarbeiter oder Anwender in kurzer Zeit erledigen. lassen sich bestimmte Aufgaben, die Computer nur unzureichend lösen können, kosteneffizient mit einer Gemeinschaft aus Tausenden Mitgliedern erledigen. Aufgaben wie das Übertragen von gesprochener Sprache auf Audiodaten in Texte sind nur schwer automatisierbar, jedoch leicht für einen Menschen zu erledigen. Unternehmen können sich mit der Amazon-Plattform verbinden und dort derartige Aufgaben veröffentlichen; die Gemeinschaft erledigt sie kostengünstig und schnell. Der Einreicher erhält im Gegenzug einen geringen Lohn für seine Lösung

Derzeit stellen Firmen täglich rund 30.000 neue Aufgaben auf der Plattform, die die 300.000 Mitglieder oft noch innerhalb desselben Tages erledigen. Ähnlich wie beim "Mechanical Turk" lassen sich Innovationsaufgaben oftmals in viele kleine Einheiten zerlegen. Die Beteiligten müssen dann nicht mehr alle die gleiche Aufgabe erledigen, sondern tragen mit ihrem Tun zu einer Gesamtlösung bei. Bei Open-Source-Software ergänzen einzelne Entwickler vorhandene Programme oft nur um wenige Details, werden diese allerdings zusammengefügt, ergeben sich leistungsstarke Softwarelösungen in kürzester Zeit. Dieses Vorgehen lässt auch auf andere Bereiche übertragen, wie zum Beispiel der Entwicklung von Möbeln oder technischen Geräten, allerdings nur, wenn das Produkt modular aufgebaut ist und sich die Aufgaben verteilen lassen.

Die vorgestellten Faktoren und Komponenten eines Innovationsmanagements 2.0 mögen für viele Führungskräfte noch befremdlich und schwer vorstellbar sein. Sie haben sich aber schon in zahlreichen Praxisbeispielen als wertvoll erwiesen. Stellt sich nur noch die Frage: Was halten Sie von diesen Ansätzen? Welche davon werden in Ihrem Unternehmen bereits berücksichtigt?

Ich bin auf Ihre Kommentare und Erfahrungen gespannt.


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