Die richtig Wichtigen treffen

Blog:

Von Dorothee Echter
24. Juli 2009

Topmanager, die einen neuen Job suchen, fragen mich oft: Wie lerne ich den Aufsichtsratsvorsitzenden, den Headhunter, den Consulting-Papst XY kennen? Wie lerne ich diejenigen kennen und alle, die mich unterstützen können, um schnell an mein Ziel zu kommen? Kann ich Frau Soundso nach drei Jahren ohne Kontakt heute einfach ansprechen und um Unterstützung bitten?

Unbekannte treffen: Wer ist wichtig, wer ist richtig?
Corbis

Unbekannte treffen: Wer ist wichtig, wer ist richtig?

Aus Schaden wird man klug. Bloß, dass die Erkenntnis häufig zu spät kommt. Alle, wirklich alle guten Topmanager auf Jobsuche bedauern, dass sie sich nicht früher den leichtzugänglichen Kontakten angenommen haben. Es ist einer der erschütternsten Momente, wenn Topmanager nach der Trennung vom Unternehmen realisieren, dass all diese wunderbaren Einladungen und die Aufmerksamkeit nicht ihnen persönlich, sondern ihrer Position und ihrem Unternehmen galten. Dass sie dies das wie selbstverständlich hingenommen haben. Dass sie es versäumt haben, aus Businesskontakten stabile Geschäftsfreundschaften zu machen.

Besser jetzt klug sein, ohne Schaden!

Machen Sie es nicht so: Die Kontaktmöglichkeiten, die Sie haben, als schnell nachwachsende Ressource zu begreifen. Halten Sie es nicht für selbstverständlich oder gar lästig, zu intimen Essen und großen Events eingeladen zu werden, neben dem Vorstand zu sitzen, als Redner/in, Buchautor/in, Interviewpartner/in oder Mentor/in gefragt zu sein.

Machen Sie es so: Realisieren Sie JETZT, dass Kontakte und Aufmerksamkeit einzigartige Privilegien jeden Managers, jeder Managerin sind, denn sie haben einen ganz natürlichen Zugang zu anderen erfolgreichen und interessanten Menschen. Äußern Sie Dank gegenüber den wohlmeinenden, fürsorglichen Menschen um sie herum, und gegenüber dem Unternehmen, das Ihnen diese Privilegien verschafft und sichert. Verwandeln Sie Businesskontakte in Geschäftsfreundschaften! Als selbständige Unternehmerin ist das für mich absolut selbstverständlich. Ich widme ein Drittel meines Umsatzes und meiner Zeit und zusätzlich 100 Prozent meines professionellen Könnens und meiner persönlichen Ausstrahlung dem Anliegen, meine freundschaftliche Businesscommunity zu erweitern und zu pflegen. So funktioniert eine Businesscommunity.

Dorothee Echter ist Topmanagement-Beraterin für international tätige Führungspersönlichkeiten

Dorothee Echter ist Topmanagement-Beraterin für international tätige Führungspersönlichkeiten

Machen Sie es nicht so: Denken Sie nicht, die Menschen die Sie JETZT kennen oder kennen lernen, seien nicht einflussreich genug, uninteressant für Sie, es sei gar kein Privileg, sie zu kennen. Eine Community entsteht nicht in Monaten, sondern in Jahren. Die Dame, die vor fünf Jahren beim Thanksgiving Dinner der amerikanischen Botschaft neben Ihnen saß, mit der Sie so inspiriert über neue HR-Modelle gesprochen haben - eine kleine Personalsachbearbeiterin. Vergessen, Visitenkarte weggeschmissen. Leider leitet sie heute das Top Executive Recruiting eines internationalen Großkonzerns und just dort wäre der Einkaufsvorstand zu besetzten, genau Ihre Position, die Sie suchen. Verpasste Chance.

Machen Sie es so: Den so sympathischen, aber vielleicht wenig einflussreichen Journalisten - Assistenten - Kunden - Künstler - Berater laden Sie spontan zum Abendessen ein, und gleich noch ein, zwei andere passende interessante Geschäftsfreunde dazu. Denn genau er wird vielleicht 2011 eine phänomenale Entwicklung gemacht haben, und scheinbar aus dem Nichts heraus für Sie einen entscheidenden Kontakt herstellen.

Machen Sie es nicht so: Sich nur im vermuteten Community Mainstream zu bewegen. Heutzutage muss man Golf spielen, teure Weine trinken, Achttausender besteigen... et cetera. Grundfalsch!

Machen Sie es so: Genau anders herum wird ein Schuh daraus. Echte Privilegien sind immer individuell, einzigartig. So ist auch Ihre Community. Sie fängt bei dem an, was Sie gern tun. Sie grillen gern mit Ihren Kindern im Garten? Nur zu! Für andere ist es ein Privileg, daran teilzuhaben! Wen hätten Sie gern dabei? Das größte Geschenk ist Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit, als Gastgeber, als Gast, als Business Freund, als Mitglied einer Community.

Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. HBM Online behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.


Kommentar 1:

Herzlichen Dank für diesen Blog, es wundert mich bloß, dass es immer noch genug Menschen gibt, für die das Beschriebene nicht schon lange klar ist. Das einzige worüber man sich bewusst sein muss ist, dass es niemals gut ist, auf dem hohen Ross zu sitzen, auch wenn es der eigenen Eitelkeit schmeicheln mag.

P. Nell


Dorothee Echter zu Kommentar 1 :

Lieber Herr Nell, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, es ist einmal die Eitelkeit, die die Würdigung von Privilegien verhindert, aber auch die Macht der Gewohnheit. Wir merken in unserer Beratung, wie schnell ein Manager, eine Managerin sich an Aufmerksamkeit gewöhnt, die ihm oder ihr aufgrund der Rolle entgegen gebracht wird. Nicht minder bitter wirkt der Entzug. Darauf müssen wir immer wieder hinweisen, Aufmerksamkeit ist die Währung der Zukunft, sagt Georg Franck in seinem spannenden Buch.


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