Wer kritisiert, verhindert Erfolg

17. Februar 2009

2. Teil: Weitere Leserkommentare


Kommentar 7:

Wenn die Achtung vor dem Nächsten fehlt ist alles nur hohl, egal ob Lob oder Tadel. Sehr viele Führungskräfte sind leider nicht in der Lage sich emotional in ihre Mitarbeiter hineinzuversetzen. Der Wille ist da doch es mangelt oft an eigenen Erfahrungen. Sobald ich etwas möchte, bringe ich meinen aktuellen Standpunkt allen näher, es ist wichtig, dass die Mitarbeiter die Beweggründe der Führungskräfte verstehen.

Nicht einfach nur loben und anweisen (oft leider zu oberflächlich ) sondern so intensiv wie möglich die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen.

A. Suttmeier


Dorothee Echter zu Kommentar 7:

Ich sehe das genau wie Sie, liebe Frau Suttmeier. Keine Führungsperson ist jeden Tag gleich gut drauf, noch denkt sie automatisch dauernd im nötigen Maß daran, Respekt und Einfühlung zu zeigen. Oder sie hat es nicht gelernt. Deshalb sind Rituale so wichtig, sie sind das Korsett gegen schwankende Stimmungen und ausufernde Nachlässigkeit. Sie stabilisieren positives Verhalten wie Dankbarkeitsrituale, Höflichkeit, Komplimente, Erfolgs-Visualisierung, Dialoge statt Monologe usw. Natürlich ist tief empfundener Respekt am allerbesten. Jedoch bindet oberflächliche oder rituelle Wertschätzung Teams bei Weitem noch besser ein als Kritik, Herabsetzung und Demotivierung.


Kommentar 6:

Vor dem Kritisieren und Loben kommt zwingend die Beurteilung.

Beurteilt wird anhand eines Vergleichsmaßstabs, immer eine zutiefst subjektive Glaubens- bzw. Idealvorstellung, die genährt wird durch persönliche Erfahrungen, beeinflusst durch eigene Ziele, Stärken, Schwächen, geprägt durch Prinzipien, Paradigmen und, besonders stark, von den individuellen Wertevorstellungen.

Nachdem die Beurteilung in ihrem Wesen subjektiv ist, ist es auch die Kritik beziehungsweise das Lob selbst. Als Business Development Experte im krisengeschüttelten Halbleiter- und Automobilelektronik-Markt bin ich davon überzeugt: ist es auch noch so subjektiv, wir müssen beurteilen! Und als Führungskraft muss ich Orientierung geben, muss also mein Beurteilen (Sachverhalte, Verhaltensweisen etc.) öffentlich machen. Dazu gibt es zwei Wege, einer mit Fokus auf das Negative, der andere auf das Positive:

Kritik hat etwas anmaßendes, etwas absolutistisches, das schreit: "ich weiß es besser als Du!" oder auch "ich kenne die ganze Wahrheit!", gleichzeitig ist sie für den Empfänger abwertend und drängt ihn in die Defensive.

In einer Zeit in der es nur noch sehr selten absolute Gewiss- und Sicherheiten gibt, was gleichermaßen für unser Beurteilen gilt, kann man sich selbstverständlich auch im Loben irren, es stellt sich mir aber die Frage, ob dies - gerade bei all den positiven Begleiterscheinungen - nicht die viel angenehmere Art des Irrens darstellt?

A. R. Krappel


Kommentar 5:

Ein schönes Blog-Posting. Vor allem hat mir gefallen, dass der Analyse, derzufolge das menschliche Gehirn Kritik wirklich überall aufspüre, nicht die Frage oder gar die Antwort darauf folgt, wie weniger Gelobte den Lobmangel nicht als als Kritik auffassen sollen. Ich fürchte, das könnte den schönen Ansatz zu Fall bringen. Denn Kritik ist Lob und Lob ist Kritik. Dazu muss man nicht "Zen für Manager" gelesen haben.

No Name


Dorothee Echter zu Kommentar 5:

Ihr Kommentar, lieber No Name, zeigt die "hohe Schule" zum Thema Kommunikation, vielen Dank dafür. Freilich kann ein sensibler Nicht-Gelobter eine Kritik herausspüren oder hineininterpretieren. Dieses Risiko muss ein Topmanager eingehen. Denn wenn er Kritik konsequent weg lässt, dann setzt er einen Prozess in Gang, in dessen Verlauf mehr und mehr Gelassenheit, Unkompliziertheit, Vertrauen und Wertschätzung entstehen.


Artikel
© Harvard Business Manager 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
ANZEIGE
Die neuesten Blogs
Nach oben