Was Strategen von Start-ups lernen können

Disruption:

Von Julian M. Kawohl, Shamim Rafat und Sophia Block
1. Dezember 2016
Getty Images

"Design-Thinking" oder "Rapid Protoyping" sind typische Arbeitsmethoden in Start-ups. Sie klingen nach schneller Innovation und Erfolg - auch in den Ohren traditioneller Unternehmen. Doch inwieweit sind die Strategietools aus der Startup-Welt auch für den Einsatz durch Konzernstrategen in etablierten Organisationen geeignet?

In diesem Beitrag möchten wir genau das klären: Auf Basis der Erkenntnisse eines praxisorientierten Research-Workshops vergleichen wir die Strategiearbeit von jungen Start-up-Unternehmen mit der von traditionellen Unternehmen.

Konzerne optimieren schrittweise, Start-ups zielen auf Skalierung ab

Traditionelle Unternehmen besitzen über lange Zeit gefestigte Strategien. Sie nutzen vorrangig stark analytische Tools, die den Fokus primär auf die inkrementelle Optimierung ihrer Produkte, Services und Geschäftsmodelle in bekannten Märkten legen. Doch sehen sie sich jedoch zunehmend gezwungen, neue, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln, um am Markt mithalten zu können.

Bei Startups geht es hingegen in erster Linie um das schnelle Finden und Skalieren des (digitalen) Geschäftsmodells in für sie neuen Märkten oder Marktsegmenten. Startups nutzen eine große Bandbreite an innovativen und alternativen Managementtools, die das ständige Testen am Kunden und eine schnell realisierbare Korrektur der Strategie ermöglichen.

Immer mehr etablierte Unternehmen suchen derzeit den Kontakt zur Start-up-Szene - beispielsweise in Form von Innovation Labs, Accellerator- oder Inkubatoren. Primär wird damit angestrebt, neue Ideen zu finden oder innovative Geschäftsmodelle außerhalb klassischer Konzernstrukturen schnell und flexibel auszuprobieren.

Anwendung von Design Thinking und Foresight Ansätzen mit Teilnehmern aus traditionellen Unternehmen und Start-ups

In unserem Forschungsansatz vernetzen wir in einem eintägigen Co-Creations-Workshop insgesamt über 35 Manager und Entscheidungsträger aus den Bereichen Strategie, Unternehmensentwicklung und Innovation von etablierten Unternehmen mit erfolgreichen (Mehrfach-) Gründern aus Start-ups. Aufgrund des kreativen, interdisziplinären und partizipativen Charakters dienen die Ansätze von Design Thinking und Foresight als Grundlage für die Konzeption der Forschungsmethodik.

Aus den Herausforderungen für zukünftige Strategiearbeit lassen sich in einen nächsten Schritt Kriterien ableiten, die neue Strategietools der Zukunft mitbringen sollten:

  • Förderung neuer Geschäftsmodelle
  • Kollaboration/Vernetzungsförderung
  • Enges Kundenverhältnis/Kundendialog
  • Daten-/Faktenorientierung
  • Förderung kulturellen Wandels (Hierarchien, Kommunikation, Prozesse)
  • Branchenübergreifende Abdeckung
  • Raum für Kreativität, Intuition und Flexibilität
  • Iteratives Vorgehen (Trial&Error-Prozesse/Feedbackschleifen, sichere Umgebung/"Spielplatz")

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