Zeitlose Ratschläge für schwierige Entscheidungen

Entscheidungen:

Von Joseph L. Badaracco
29. September 2016
Getty Images

Je mehr Verantwortung Sie am Arbeitsplatz und im Leben übernehmen, umso öfter werden Sie vor Problemen stehen, die sich in einer Grauzone bewegen. Normalerweise sind das Fälle, in denen Sie sich (oft in Zusammenarbeit mit anderen Menschen) große Mühe gegeben haben, ein Problem oder eine Situation zu erfassen. Sie haben alle Daten, Informationen und Expertenratschläge zusammengetragen, die Sie sich beschaffen konnten, und diese auch gründlich analysiert. Trotzdem fehlen Ihnen immer noch wichtige Fakten, und auch unter Ihren Lieblingskollegen gehen die Meinungen über die richtige Vorgehensweise auseinander. Sie selbst grübeln immer wieder darüber, was hier eigentlich los ist und welche Schritte Sie als Nächstes unternehmen sollen. Solche Probleme gibt es in allen Formen und Größenordnungen, und sie haben im Grunde nur eines gemeinsam: Wir empfinden sie als sehr belastend. Aber wie löst man sie?

Gerade heute, wo wir glauben, mithilfe von Analysetechniken so gut wie alle Fragen beantworten zu können, gehen solche Grauzonenprobleme mit hohen Risiken einher. Viele Herausforderungen, vor denen moderne Manager und Unternehmen stehen, erfordern komplizierte Techniken zur Analyse großer Informationsmengen. Da ist es natürlich verlockend, zu glauben, man könne schon die richtige Entscheidung finden, wenn man sich nur die richtigen Informationen beschafft und die richtigen Analyse-Tools einsetzt. Und es kann auch verlockend sein, sich vor schwierigen Entscheidungen zu drücken, indem man behauptet, an diesen Zahlen könne man alles ablesen und auf dieser Basis sei nur eine einzige Sicht- oder Vorgehensweise möglich. Doch fast alle ernsthaften Probleme bewegen sich in Grauzonen; Tools und Techniken allein können Ihnen da keine Antworten geben. Sie müssen schon auf Ihr Urteilsvermögen bauen und eine Entscheidung treffen - auch wenn sie schwierig ist.

Solche Entscheidungen gehen oft mit schwerwiegenden emotionalen und psychischen Risiken einher. Wenn Sie vor einer wirklich schweren Entscheidung stehen, können Sie sich Ihrer persönlichen Verantwortung nicht entziehen. Sie müssen wählen, sich festlegen, handeln und hinterher mit den Konsequenzen leben. Ein MBA-Student hat dieses Dilemma in weiser Voraussicht folgendermaßen beschrieben: "Ich möchte kein Geschäftsmann sein, der den Anspruch erhebt, ein anständiger Mensch zu sein. Ich möchte ein anständiger Mensch sein, der den Anspruch erhebt, Geschäftsmann zu sein."

Wie geht man mit diesen Wahlmöglichkeiten und Risiken um, wenn man vor einer schweren Grauzonenentscheidung steht und seine menschlichen Grundverpflichtungen dabei nicht vernachlässigen will? Die schwierige Aufgabe besteht darin, sich in die Lage des jeweils "Anderen" hineinzuversetzen: Stellen Sie sich vor, Sie seien kein Insider oder Entscheidungsträger - also nicht derjenige, der in dieser Angelegenheit zu bestimmen hat -, sondern einer der Außenseiter oder Leidtragenden Ihrer Entscheidung. Noch viel schwieriger ist es, die Gefühle dieser anderen Partei so nachzuempfinden, dass Sie erkennen, worin Ihre menschlichen Grundverpflichtungen in diesem Fall bestehen.

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