Was ist Authentizität?

Selbstmanagement:

Von Herminia Ibarra
1. April 2015
Corbis

Authentisch zu sein gilt unter Führungskräften derzeit als Goldstandard. Doch eine zu schlichte Auslegung dieses Prinzips kann schnell zum Bumerang für die eigene Karriere und persönliche Entwicklung werden.

Herminia Ibarra, Professorin für Organizational Behaviour und für Leadership and Learning an der französischen Business School Insead, nennt drei Beispiele für typische Fehlinterpretationen und daraus entstehende Probleme:

"Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben"

Welchem Selbst? Jeder Mensch hat verschiedene Persönlichkeiten, die davon abhängen, welche Rolle er gerade spielt. Mit jeder neuen Erfahrung entwickeln wir uns weiter. Wie können Sie also einem zukünftigen Ich treu bleiben, von dem Sie noch nicht einmal genau wissen, wie es aussehen wird?

"Man sollte immer genau das sagen und tun, was den eigenen Gefühlen entspricht"

Eine Führungskraft, die ihren Mitarbeitern gegenüber permanent ihr Innerstes offenbart, verliert schnell an Respekt und Glaubwürdigkeit. Das gilt insbesondere dann, wenn sie sich in ihrer neuen Rolle noch nicht bewähren konnte.

"Entscheidungen sollten immer auf Grundlage der eigenen Werte gefällt werden"

Je höher wir auf der Karriereleiter steigen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass alte Wertvorstellungen, die wir aufgrund früherer Erfahrungen entwickelt haben, uns dort in die Irre führen. So kann eine "engmaschige Kontrolle aller Einzelheiten des Betriebsablaufs" zwar authentisch, aber angesichts neuer Herausforderungen auch starrsinnig sein.

Ibarra warnt davor, experimentierfreudige und spontane Menschen als unecht oder wankelmütig abzustempeln. Das sei zwar nicht ganz unberechtigt, denn in der Tat schlüpfen sie mitunter in Rollen, denen sie noch nicht gewachsen sind. Doch genau dieses Sich-Ausprobieren und Abkupfern stählt sie für neue Aufgaben. Sich aus seiner Komfortzone herauszuwagen hilft einem dabei, eine bessere Führungskraft zu werden.


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HBM 4/2015

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Zur Autorin
Herminia Ibarra ist Professor für organisatorisches Verhalten sowie Führung und Lernen an der französichen Hochschule Insead. Sie veröffentliche zahlreiche Beiträge im Harvard Business Manager, zuletzt Mythos Authentizität. Sie hat die Bücher Act Like a Leader, Think Like a Leader (Harvard Business Review Press, 2015) und Working Identity: Unconventional Strategies for Reinventing Your Career (Harvard Business Review Press, 2003) verfasst. Folgen Sie ihr auf Twitter unter @HerminiaIbarra und besuchen Sie ihre Webseite.

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Kommentare
1
MarcoHass 05.05.2015

Undosierte Authentizität verträgt tatsächlich nicht jeder. Würden alle bedingungslos Athentisch sein, hätten wir ein Empathie Problem. Richtig schlimm ist es, wenn Authentizität UND Empathie fehlen.

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