Wie US-Manager ihre Wirtschaft ruinieren

Aktienrückkäufe:

Von Christina Kestel
24. November 2014
Getty Images

"Die Mission der U. S. Securities and Exchange Commission besteht darin, die Investoren zu schützen, für faire, geordnete und effiziente Märkte zu sorgen und den Kapitalaufbau zu fördern", heißt es auf der Website der SEC. Doch die Behörde hat bei der Überwachung von Aktienrückkäufen und Vergütungssystemen und bei ihren Urteilen in diesem Bereich in den vergangenen drei Jahrzehnten einen Kurs eingeschlagen, der diesen Zielen zuwiderläuft. Sie hat den reichsten 0,1 Prozent der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben, sich den Großteil der US-Produktivitätszuwächse zu sichern, während die überwältigende Mehrheit der Amerikaner das Nachsehen hatte", schreibt William Lazonick in seinem lesenswerten Stück "Geschäfte auf Kosten aller" in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Die Gewinne der amerikanischen Unternehmen fließen schon lange nicht mehr in Innovationen und Investitionen. Sie werden stattdessen in großem Ausmaß in Aktienrückkäufe gesteckt. Diese Rückkäufe mögen kurzfristig den Aktienkurs steigern, aber auf lange Sicht wirken sie einer fairen Einkommensverteilung, Beschäftigungsstabilität und Wachstum entgegen. Davon profitieren in erster Linie die Topmanager, deren Vergütung zu großen Teilen aktienbasiert ist.

Wohin das Geld verschwand: Aktienrückkäufe und Dividenden sind in den vergangenen 20 Jahren geradezu explodiert. Manager geben an, nur unterbewertete Aktien zurückzukaufen, aber die Transaktionen nehmen in Boomphasen zu, was diese Aussage in Zweifel zieht.(*)
Harvard Business Manager

Wohin das Geld verschwand: Aktienrückkäufe und Dividenden sind in den vergangenen 20 Jahren geradezu explodiert. Manager geben an, nur unterbewertete Aktien zurückzukaufen, aber die Transaktionen nehmen in Boomphasen zu, was diese Aussage in Zweifel zieht.(*)

Die Aufsichtsbehörden sollten den Unternehmen verbieten, Aktien über den Kapitalmarkt zurückzukaufen, fordert Lazonick. Zudem sollte die aktienbasierte Vergütung der Manager gestutzt werden. Arbeitnehmer und Steuerzahler müssten eine Vertretung in Boards erhalten, und der US-Kongress könnte das Steuersystem so reformieren, dass es Wertschöpfung fördert - und nicht Wertabschöpfung.


Wie die Praxis der Aktienrückkäufe den Markt manipuliert, Gehaltsexzesse fördert und notwendige Investitionen verhindert, beschreibt Wirtschaftsprofessor William Lazonick in folgendem Beitrag:



Geschäfte auf Kosten aller


Von William Lazonick
HBM-Beitrag als PDF, 13 Seiten

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Zur Autorin
Christina Kestel ist Redakteurin des Harvard Business Managers.

Artikel
Kommentare
3
MarcoHass 25.11.2014

Flickschusterei: hier etwas anderes - da etwas besser, bringt keine wirkliche Verbesserung des regionalen oder globalen Systems. Glücksspiel, Wetten auf Irgendetwas oder Wertsteigerung ohne Wertschöpfung und Steuerfreiheit auf Börsenhandel lassen Wenige auf Kosten Vieler unangemessen profitieren. Eine riesige Wirkung hätte Entschleunigung: JEDES börsennotierte Papier darf alle 4 Wochen nur EINMAL gehandelt werden. Darunter = 100% Gewinnbesteuerung. Wäre dieses Verfahren ein erster Meilenstein? Welchen Nutzen hätte das für die Meisten? Welche Argumente hätten die Wenigen?

mayconsult 25.11.2014

Ich sehe nicht allein ein Versagen der Aufsicht, sondern die Unternehmen haben den Beweis geliefert, dass Corporate Governance etwas für Hochglanzbroschüren, nicht aber die Realität ist. Wenn Gewinne nicht mehr für Innovationen und Investitionen, sondern für Aktienrückkäufe verwandt werden, dann könnte man das Verhalten der Führung weit gefasst sogar als geschäftsschädigend interpretieren, denn nur Erstere erhalten das Unternehmen langfristig.

mayconsult 25.11.2014

Ich sehe nicht allein ein Versagen der Aufsicht, sondern die Unternehmen haben den Beweis geliefert, dass Corporate Governance etwas für Hochglanzbroschüren, nicht aber die Realität ist. Wenn Gewinne nicht mehr für Innovationen und Investitionen, sondern für Aktienrückkäufe verwandt werden, dann könnte man das Verhalten der Führung weit gefasst sogar als geschäftsschädigend interpretieren, denn nur Erstere erhalten das Unternehmen langfristig.

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